Und am Ende bebte das Bernabéu! Mit Blut, Schweiß und Tränen drehte Real Madrid in einer epischen Aufholjagd einen 0:2-Rückstand gegen den FC Málaga und verließ den Fußballpalast mit einem 3:2-Endstand als Sieger. Genau wie das Team zeigte sich José Mourinho während der Partie in bester Jekyll-und-Hyde-Manier: in der ersten Hälfte völlig apathisch und in der zweiten Halbzeit drauf und dran vor lauter Emotionen vom Platz gestellt zu werden. Auf der Pressekonferenz konnte sich der Coach zwar wieder fangen, nichtsdestotrotz übte er an seiner Mannschaft und ihrer Einstellung harsche Kritik...
War nicht zufrieden mit der ersten Halbzeit, José Mourinho - Foto: Elisa Estrada, Realmadrid.com
MADRID. Bevor das Spiel vom Unparteiischen überhaupt abgepfiffen wurde, schmiss der Portugiese seine Trinkflasche wutentbrannt in die Höhe und verließ die Trainerbank vorzeitig. Minuten später auf der Pressekonferenz zeigte sich der Coach jedoch wieder von seiner ruhigen Seite, trotzdem bedeutete dies nicht, dass die folgende Pressekonferenz eine Kuschelrunde werden würde, denn die Statements des „Special One“ hatten es wieder einmal in sich! Der Dirigent der Galacticos regte sich fürchterlich über die Einstellung und Motivation seiner Mannschaft in der ersten Halbzeit auf und gab zu verstehen, dass alle an dieser Lage mitverantwortlich seien: „Ich habe den Spielern gesagt, dass wenn ich könnte, ich alle elf Spieler auswechseln würde. Ich kann nur drei Spieler auswechseln, aber ich hätte alle Spieler ausgewechselt. Ich habe versucht, Veränderungen zu bewirken und eine Antwort von den Spielern erwartet. Die drei Spieler, die ausgewechselt wurden, haben nicht schlechter gespielt als der Rest. Das war kein Zeichen an niemanden“, so die harten Worte des 48-Jährigen. Eine Erklärung für diese lasche Haltung zu Beginn hatte er nicht, möglich aber, dass die Pause ihre Wirkung zeigte. „Eine Pause ist immer eine Pause. Es gibt Leute, die gehen in die Ferien um zu entspannen und andere, die wollen feiern, reisen und bei Papa und Mama oder dem Onkel gut essen. Sie hören über Weihnachten nicht auf zu essen und zu trinken und kommen dann etwas verändert zurück.“
Der Spielbericht zum Nachlesen :
Madrid dreht 0:2 in 3:2
Und die Wutreaktion des Trainers zeigte auch seine Wirkung. Die Einwechslungen von Benzema, Özil und Khedira ermöglichten die epische Aufholjagd und garantierte den Madrilenen den Sieg – Mourinhos risikoreicher Schachzug ging vollends auf. „Ich bevorzuge es mit der Tatsache nach Hause zu gehen, dass ich etwas riskiert habe, um die Dinge verändern zu können. Ich habe einiges riskiert. Mit Chelsea lag ich einmal gegen Tottenham mit 0:3 hinten und machte das Gleiche. Am Ende konnten wir ein Unentschieden herausholen. Hätte sich jemand verletzt und wir hätten mit 10 Mann verloren, dann könnte man morgen groß in den Zeitungen lesen: Mourinho ist dumm!“ Auch sonst fiel die Analyse des Portugiesen äußerst zwiespältig aus: „Auf der einen Seite bin ich zufrieden mit unserem Spiel, aber auf der anderen Seite bin ich ziemlich wütend. In der ersten Halbzeit waren wir nicht konzentriert genug, wir waren nicht auf der nötigen Höhe und begangen zwei riesen Fehler bei den Eckbällen. In der zweiten Halbzeit konnten die Jungs den Dreck, den sie in der ersten Halbzeit hinterließen, mit der Unterstützung des Stadions hinwegfegen. Eine solche Unterstützung ist nicht selbstverständlich, wenn man schlecht spielt und mit 0:2 hinten liegt. Dank der Vereinigung von Fans und der Mannschaft konnten wir dieses sehr negative Resultat wiedergutmachen und haben in Málaga einen Vorteil auf unserer Seite.“
Doch nicht die eigene Unfähigkeit oder die mangelnde Konzentration war für dieses Kampfspiel der entscheidende Faktor, sondern auch der Gegner. José Mourinho gratulierte Manuel Pellegrinis Truppe zu einer starken Leistung, wenn sie sich aber auch in erster Linie aufs verteidigen konzentrierte. „Málaga hat sein Spiel durchgezogen, sie haben hauptsächlich verteidigt, sie haben nicht viel getan, um die Tore zu erzielen. Sie sind ein starkes Team. Für mich ist die Meisterschaft jedoch wichtiger als der Pokal. Ich hätte lieber heute verloren, als gegen Granada am Wochenende.“ Zum Schluss nahm Mourinho seinen Assistenten Rui Faria in Schutz, der vom Platz gestellt wurde und gab klar und deutlich zu verstehen, dass er von der Schiedsrichterleistung enttäuscht war, auch wenn er es für besser hielt in diesem Moment keine großen Töne zu spucken: „Ich rede besser nicht über die Schiedsrichter. Es reicht schon, wenn man sich die Entscheidungen und die ungleichen Kriterien während des Spiels anschaut.“
Zu guter Letzt gab es noch einen kleinen Ausblick auf die kommenden Aufgaben in den folgenden Monaten. Sowohl in der Liga, als auch im Pokal und in der Champions League stehen nun die entscheidenden Partien vor der Tür. Wird es was mit dem großen Titel in diesem Jahr? „Wir denken zuerst an einen Sieg gegen Granada am Samstag, danach am Dienstag gegen Málaga und dann irgendwann so langsam an die Champions League. Es geht hier nur Schritt für Schritt. Wir können genauso gut in einem dieser Wettbewerbe ausscheiden oder am Ende der Meisterschaft weniger Punkte als Barcelona haben.“
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