13.12.2011, 10:53
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Interviews

„Wer an Ronaldo zweifelt, der zweifelt auch an Messi”

José María Gutiérrez „Guti“ durchlebte am Samstag seinen ersten Clásico als Zuschauer im Estadio Santiago Bernabéu und es war wahrlich kein Anlass zur Freude. Der eingefleischte Madrilene tippte vor der Partie optimistisch auf ein 3:1, in jedem Falle werde das Team von Mourinho nicht den Kürzeren ziehen, davon war er felsenfest überzeugt. Die Geschichte sah ein anderes Ende vor. Mit etwas Abstand analysierte der 35-Jährige die Partie und stellte sich hinter die tragische Figur des Abends, Cristiano Ronaldo.

„Wer an Ronaldo zweifelt, der zweifelt auch an Messi”

Guti stärkt Ronaldo den Rücken - Foto: Ángel Martínez, Realmadrid.com

„Ich weigere mich zu sagen, Barcelona sei das bessere Team“

MADRID. Gaben vor dem Clásico zahlreiche Experten oder auch selbsternannte Fachmänner ihren Senf zum bevorstehenden Duell der Superlative, ging es auch nach dem Spiel freudig weiter. Selbst Psychologen versuchten anhand der Bewegungsabläufe die mentale Verfassung abzuleiten. Doch wer könnte besser in die Köpfe der Protagonisten schauen, als jemand, der vor gar nicht allzu langer Zeit einer von ihnen war und selbige Situation durchlebte? „Die Jungs sind jetzt traurig und sehr enttäuscht. Du gehst mit so viel Ambition auf das Feld und du hast im Kopf, dass Millionen von Zuschauern dabei sind und die Fans größte Erwartungen an dich haben. Diese Woche wird daher jetzt besonders schwer, jedes Mal wenn du auf die Straße gehst, wirst du damit konfrontiert. Du denkst an die ganze Fans, die du enttäuscht hast und fühlst dich einfach nur schlecht. Du denkst immer wieder darüber nach, was du hättest besser machen können und woran es gelegen hat und das quält einen.“

Auch für Madrids ewige Nummer 14 ging das Team als Favorit in die Partie, konnte man doch mit einer beeindruckenden Siegesserie aufwarten. An Selbstvertrauen hätte es nicht mangeln können. Doch es ist wie im Leben: Wer weit auf dem Gipfel steht, der kann eben auch am tiefsten runter purzeln. Trotzdem ist diese Schlacht noch nicht zu Ende! „Madrid war doch klar in besserer Form und daher auch der Favorit. Es sind eben diese Spiele, in denen Barcelona dann auch wieder in die Spur findet und sie haben ja ohnehin keine schlechte Truppe beisammen. Viele dachten, dass ihr Zyklus schon vorbei wäre, der Hunger fehle – aber wie man sieht, ist dies nicht so. Ich weigere mich dennoch, Barcelona als besseres Team anzusehen. Der Beste ist derjenige, der am meisten Titel im Besitz hat und das ist Real Madrid, auch wenn Barça im Moment überragend ist. Für mich sind das die zwei besten Teams in Europa und die Favoriten in allen Wettbewerben.“

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„Spielst du zwei Spiele schlecht, bist du der größte Depp“

Auch wenn Fußball ein Teamsport ist, wird dieser doch immer auch durch Individualisten geprägt. Der wohl größte bei den Madrilenen ist Cristiano Ronaldo. Extraklasse, extravagant aber auch extrovertiert, ballt er meist die Faust und schmückt die Cover einschlägiger Magazine. Auch hier gilt: Wer so im Fokus steht, der kann im Strudel der Niederlage bis an den Meeresboden gezogen werden. Guti verteidigte den Superstar jedoch, auch wenn er zugab, dass sein schärfster Widersacher aktuell wohl noch eine Spur besser ist. „Der Fußball ist wie ein Berg. Wenn alles gut läuft, stehst du oben und man behandelt dich wie ein Gott. Läuft es zwei Spiele nicht gut, fällst du runter und bist der größte Depp. Ich sage jedoch: Wer an Ronaldo zweifelt, der zweifelt auch an Messi! Auch er hat schon schlechte Spiele abgeliefert, gerade in der Nationalmannschaft. Einzig anzumerken ist: Wenn Barcelona ihn braucht, dann ist er auch in den großen Spielen präsent. Bei Cristiano fehlt mir das ab und an, daher glaube ich steht Messi ein kleines bisschen über ihm. Dennoch wissen wir, dass es die zwei besten Spieler der Welt sind und Ronaldo unglaublich wichtig für dieses Real Madrid ist.“

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Abschließend beurteilte er die Leistung José Mourinhos, der für zahlreiche Gazetten als Verlierer aus der taktischen Schlacht hervorging. „Mourinho ist ein großartiger Trainer, der Madrid schon viel gegeben hat und diesen Verein in eine positive Richtung führt. Man merkt auf dem Feld, dass die Spieler ruhig sind und wissen, was sie zu tun haben. Egal wie die Wettbewerbe auch enden, ich finde, dass der Verein mit seiner Verpflichtung alles richtig gemacht hat. Ob er jetzt den Balón d'Or gewinnt, hängt auch von der Mannschaft ab. Ich glaube nicht, dass Guardiola stärker ist, aber sein Team hat mehr gewonnen und daher könnte es sein, dass er den Titel erhält.“

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geschrieben von Tobias A. Hellmann

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