Gespannt blickten alle Fußballfreunde am heutigen Freitagvormittag ins beschauliche Nyon. Die Achtelfinalpartien in der Champions League wurden ausgelost und für das beste Team der diesjährigen Vorrunde, Real Madrid, sollte es gegen einen der Gruppenzweiten gehen. Schlussendlich wurde es ZSKA Moskau, vermeintlich einer der leichteren Gegner. Doch was erwartet die Blancos eigentlich, wenn sie im Februar ins klirrend kalte Russland müssen? Realmadrid.de bringt verschafft einen Überblick.
Vorsicht vor Vágner Love und Co. - Foto: ZSKA
MOSKAU/MADRID. Es ist ganz klar eine der großen Unbekannten in diesem Wettbewerb. Der PFK ZSKA Moskau ist ein Team mit einigen starken Akteuren, doch gleichzeitig auch einigen Fragezeichen. Der Vizemeister des letzten Jahres in der russischen Premjer-Liga setzte sich in der diesjährigen Gruppenphase gegen Lille und Trabzonspor durch und qualifizierte sich somit für das Achtelfinale. Zusammen mit Zenit St. Petersburg spielen somit erstmals gleich zwei Vertreter aus dem größten Land der Erde in der Runde der letzten 16. Nichtsdestotrotz stehen diese Vereine in keinem guten Licht. Viel Geld, viel Korruption und eine wenig attraktive Liga sind nur wenige der vielen Vorurteile.
Werde Facebook-Fan und verpasse keinerlei News!Leonid Slutsky trainiert ZSKA nun seit 2009 und kreierte seitdem ein wettbewerbsfähiges Team, das nicht mehr nur national ein Wörtchen mitreden kann, sondern auch in Europa positive Akzente setzt. Nach dem Bekanntwerden des Gegners war der Coach jedoch weniger begeistert und betonte, dass es „auf jeden Fall einen angenehmeren Kontrahenten“ hätte geben können. „Ich habe mir zwar Real Madrid gewünscht, weil es eine tolle Mannschaft ist und sie tolle Spieler haben, aber es wird verdammt schwer für uns, dieses Achtelfinale zu überstehen. Was werden wir nun tun? Wir müssen spielen und uns klar machen, dass wir Möglichkeiten haben, auch wenn es extrem schwer für uns wird. Es ist wie schon im letzten Jahr ein spanischer Gegner (Sevilla) und noch dazu ein Team von José Mourinho. Ich habe schon 2010 mit Inter Mailand gegen Mourinho verloren.“
Doch dass der unterlegene David den scheinbar übermächtigen Goliath schlagen kann, ist bezogen auf den Fußball und K.o.-Spiele nichts Neues. Auf welche Akteure muss sich Real Madrid denn im Februar so einstellen? Der bekannteste Spieler ist Russlands Schlusmann Nummer 1, Igor Akinfeev, den anscheinend lediglich das Geld in seiner Heimat hält. Vor ihm spielt jedoch der wohl schwächste Part der Russen – die Defensive! Die Gebrüder Beresuzki agieren an der Seite von Ignasshevic und Shennikov. Das Problem: Sie alle sind meist einen Schritt langsamer als ihre Gegner, weshalb man mit neun Gegentreffern die meisten Tore in ihrer Gruppe hinnehmen musste. Gerade gegen die pfeilschnellen Ronaldo, Di María, Benzema und Co. werden sich die größtenteils russischen Nationalspieler in Acht nehmen müssen.
Der talentierteste Spieler von ZSKA heißt Alan Dzagoev und ist erst 21 Jahre alt. Die Nummer 10 ist der Motor im Offensivspiel und überzeugt auch in der Nationalelf der Russen. Sein Problem ist allerdings die Konstanz, die teilweise stark zu wünschen übrig lässt. Hat er einen guten Tag, ist er kaum vom Ball zu trennen – jedoch nur an einem solchen. Ansonsten vertritt ihn der japanische Nationalspieler Honda, der im vergangenen Sommer aus Holland ins kalte Russland gekommen ist und bis dato immer wieder ordentliche Leistungen abrufen konnte. Weitere interessante Akteure sind zudem Mamaev und Aldonin, komplettiert vom Serben Tosic, die ein kompaktes Mittelfeld perfekt machen.
Alle Infos zur Auslosung im Realmadrid.de-Live-Ticker!Im Sturm wartet schlussendlich die wohl gefährlichste Waffe. Der Ivoirer Seydou Doumbia führt in Russland die Torjägerliste mit 23 Treffern an und zeichnet sich somit derzeit als noch gefährlicher aus, als sein brasilianischer und
blauhaariger Sturmpartner Vágner Love. Doumbia war zudem in der Gruppenphase der Königklasse für das Weiterkommen verantwortlich und steuerte gleich fünf Treffer bei. Dieses Duo scheint die größte Stärke von ZSKA zu sein. Wenn dann noch das Wunderkind Dzagoev einen guten Tag erwischt, könnte es gefährlich werden.
Trotzdem gilt ZSKA auf dem Papier eher als einfaches Los, wenngleich das russische Wetter den sonnenverwöhnten Spaniern zu schaffen machen könnte. Bei Schnee und frostigen Minusgraden im russischen Winter Fußball zu spielen, wird sicher keine angenehme Aufgabe für Casillas und Co. sein. Der Torhüter twitterte bereits, dass das Wetter im Hinspiel eine wichtige Rolle spielen werde. „Wir müssen uns warm anziehen“, so der 30-Jährige. Ob das zweierlei Bedeutung hat? Geht man zumindest mit dem nötigen Respekt an diese Begegnung heran, so dürfte man keine größeren Probleme haben. Aber wie heißt es so schön: Die Königsklasse hat ihre eigenen Gesetze.
Die Stammelf von ZSKA Moskau (Stand 16.12.2011): Akinfeev; Nababkin, Inashevic, V. Berezutski, A. Berezutski/Shennikov; Dzagoev, Mamaev, Aldonin, Tosic; Love und Doumbia
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