Nachdem José Mourinho im ersten Teil des großen Jahresabschluss-Interviews nochmals betonte, für kein Geld der Welt die nächsten glorreichen Jahre dieser „goldenen Generation“ verpassen zu wollen, sprach er nun über die Protagonisten. Dabei standen unter anderem die aktuelle Form des Teams, seine Beziehung zu den Stars und die Spekulationen um mögliche Transfers im Zentrum des Gespräches.
Ist mit dem Spiel seines Teams hoch zufrieden, Mourinho - Foto: Víctor Carretero, Realmadrid.com
MADRID. Riskiert man einen Blick auf die Tabelle der Primera División oder genießt man noch einmal die spielerische und statistische Meisterleistung der Blancos in der Königsklasse, so kann man mit Fug und Recht behaupten: diese Hinserie war ein Volltreffer! Die Schinderei rund um drei Kontinente im Sommer hat sich voll ausgezahlt, die punktuelle Verstärkung des Teams ebenso. Doch die nackten Zahlen und das Gebotene auf dem Platz müssen nicht immer mit einer Zunge sprechen. In diesem Fall jedoch unbedingt. Spektakuläre Tore, eine Bollwerk von Defensive und geniale Momente – da war für jeden etwas dabei, ob Taktik-Liebhaber oder Technik-Fetischist. Mourinho kann sich dem nur anschließen: „Bis jetzt haben wir alle unsere Ziele erreicht. Es gibt zwar in dieser Phase noch keine Titel zu gewinnen, wohl jedoch gewisse Positionen einzunehmen, will man am Ende noch um Meisterschaften spielen. In der Champions League haben wir historisches geschafft und im Pokal haben wir nun endgültig diese Negativserie der letzten Jahre beendet. Und in der Liga, nun, wie ich es schon sagte, in jedem anderen Land wäre wir ohne Probleme Meister, in Spanien wird das schwieriger. Noch sind wir ein junges Team, aber im Vergleich zum letzten Jahr ein ganzes Stück reifer. Sowohl im Spiel, als auch mental. Wir haben nach der Niederlage gegen Barcelona direkt eine Reaktion gezeigt und dass hat mir imponiert und zeigt, dass keine Niederlage uns moralisch in die Knie zwingen kann. Diese Stabilität gefällt mir sehr, genauso im Übrigen wie unser Spiel. Real Madrid spielt einen fantastischen Fußball und wer das nicht anerkennt, der lügt. Wir begeistern die Menschen und wir haben selbst Spaß dabei. Schaut euch nur das Bernabéu an, es ist jedes Mal ausverkauft, weil die Leute es genießen diesem Team zuzusehen. Wir haben die richtige Balance aus Ergebnisorientierung und Spektakel gefunden. Das wir aus den letzten 18 Spielen 16 Siege holten spricht doch Bände“, so die Bewertung des Trainers.
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Zwei seiner Akteure stachen bis dato besonders hervor. Beide überraschten, doch jeder auf seine Weise. Während Cristiano Ronaldo mit dem Messer zwischen den Zähnen sein schon irrsinnig starkes 2010 an die Wäsche will und Wochen für Woche beweist, dass die Kombination aus Real Madrid und Ronaldo einen Waffenschein braucht, befindet sich der Stern Mesut Özils mit genauso viel km/h auf der Uhr im Sturzflug, wie er im letzten Jahr aufging. Gerade der Deutsch-Türke braucht die starke Schulter des Misters. In einem Interview sprach er von einem väterlichen Verhältnis zu Mourinho. Auch der Chef wollte dies bestätigen, musste zugleich aber zugeben, dass auch er von Zeit zu Zeit über seinen Spielmacher schmunzeln muss: „Also nach den Äußerungen von Mesut gab es schon lustige Kommentare. Wenn ich in die Kabine reinkomme, dann rufen ihm die anderen schon zu: „Hey Mesut, da kommt dein Vater“, oder sie rufen mir zu: „Trainer, wenn du deinen Sohn suchst, der ist hier.“ Andere wiederum sagen mir: „Trainer, dein Sohn ist viel hübscher als Özil, du würdest niemals einen so hässlichen Sohn haben.“ Das ist alles liebevoll gemeint und zeigt, dass wir eine sehr gute Beziehung haben, die über das normale Spieler-Trainer-Verhältnis hinausgeht.“
Bestelle dir jetzt das Trikot mit der 10 von Mesut Özil!Und wie kommentiert der Superstar auf der Bank seinen Superstar auf dem Feld? „Über Ronaldo brauche ich doch wirklich nicht viel sagen, oder? Da gibt es langsam keine Adjektive mehr, um seine Leistungen zu beschreiben. Er liefert einen brillanten Job ab, er weiß aber auch, dass die kollektiven Titel das Wesentliche sind und dafür gibt er alles. Er geht in diesem Team, so wie es ausgerichtet ist, mit seinen Fähigkeiten voll auf und dies trägt dazu bei, dass er jede Statistik bricht. Wenn Gott will, wird er eine unglaubliche Geschichte schreiben.“
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Abschließend wurde der Portugiese noch einmal deutlich. Es ist in jedem Jahr das gleiche Spiel. Sobald das Transferfenster, ob im Sommer oder Winter, öffnet, brennt der Baum in Spaniens Blätterwald. Auch in dieser aktuellen Phase geht es wieder munter zur Sache. Da werden die Ligen nach potenziellen Talenten durchgesiebt, die Storys mit einer bombastischen Kreativleistung angereichert, mit einem großen Schuss aus der Phantasie-Flasche abgeschmeckt und voilà, Madrids nächster Supertransfer wird frisch serviert. Mourinhos Kommentar? Alles Quatsch, alles Spielchen, alles uninteressant. „Der Transfermarkt öffnet und bleibt auch einen Monat geöffnet. Ich kann natürlich verstehen, dass dieser Markt besonders für die Medien ein schönes Spielchen darstellt, bei dem sie sich austoben können. Sie müssen ihre Blätter verkaufen und da bieten sich immer Themen an. Auch verstehe ich, dass sehr viele Leute in diesem Markt versuchen zu verdienen und aktiv zu sein, ob Spieler, Vereine oder Berater. Ich kann aber für uns ganz klar sagen: Real Madrid wird weder einen Spieler abgeben, noch werden wir einen Spieler verpflichten. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und diese sportliche Führung hat im Sommer Anstrengungen unternommen, damit wir ein Team haben, welches für unsere Ziele kämpfen kann. Auch haben wir fast den kompletten Kader einsatzbereit. Wir haben keine Notwendigkeit auf dem Transfermarkt tätig zu sein und ich werde mir zu 100 Prozent keinen neuen Spieler wünschen. Das Thema ist für uns völlig außen vor.“
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