Liga BBVA 12. Spieltag

Real Madrid vs CA Osasuna
7:1 (3:1)
Die Aufstellungen
Casillas - Arbeloa, Pepe, Sergio Ramos, Coentrão - Khedira (67. Sahin), Xabi Alonso, Di María (49. Benzema), Özil (67. Callejón), Ronaldo - Higuaín Fernandez - Damiá, Lolo, Flano, Satrustegui - Punal (74. Ruben), Nekounam, Garcia, Calleja (86. Copovi) - Nino (59. Luis), Ibrahima
Auf der Auswechselbank
Adán, Raúl Albiol, Varane, Sahin, Lass, Callejón, Benzema Riesgo, Ruben, Lekic, Annunziata, Copovi, Luis, Villafranca
Die Trainer
José Mourinho Mendilibar
So fielen die Tore
1:0Cristiano Ronaldo23. Min.
2:1Pepe34. Min.
3:1Gonzalo Higuaín40. Min.
4:1Cristiano Ronaldo54. Min.
5:1Cristiano Ronaldo58. Min.
6:1Karim Benzema63. Min.
7:1Karim Benzema81. Min.
1:1Ibrahima31. Min.
Stadion: Santiago Bernabéu
Anstoß: 06.11.2011 12:00 Uhr
Schiedsrichter: Alvarez Izquierdo
Assistenen: unbekannt
Zuschauer: 80000

MADRID. 16 Jahre. So lange ist es her, als Real Madrid zuletzt ein Spiel um 12 Uhr am Mittag austrug. Damals, im September 1995, vernaschte man ebenfalls im Bernabéu den Stadtrivalen Rayo Vallecano mit 5:1. Heute empfingen die Königlichen ihren „Tabellenführermacher“ CA Osasuna zum Festmahls-Brunch. Ungewohnt, denn seit dieser Saison gibt es an jedem Wochenendspieltag ein Sonntagmittag-Spiel. Da, wo sonst die Flutlichter die Stars ins rechte Licht rücken, strahlte und blendete nun die tief stehende Sonne. Hellwach und anwesend zeigten sich zu Beginn beide Teams. Auch auf den Rängen verzichteten die Fans auf ihre Siesta daheim und so besuchten 80.000 gut gelaunte Fans den „größten Mittagsbrunch Spaniens“. Diese sahen vor dem Anpfiff gleich zwei Unregelmäßigkeiten: Der goldene Schuh, den Ronaldo am Freitag als bester Torschütze Europas überreicht bekam, stand auffällig und nicht zu übersehen am Ausgang der Katakomben und wurde in der Hand seines portugiesischen Besitzers lautstark vom Publikum bejubelt. Bei der zweiten Besonderheit war das ganze Team beteiligt: Beim Einlaufen trugen die Spieler T-Shirts mit der Nummer 19. Jene Nummer, die Antonio Cassano, der sich kürzlich einer (erfolgreichen!) Herz-Operation unterziehen musste, in der Saison 2006/07 als Teil des weißen Ballets trug. Eine schöne Geste der Mannschaft, die auf ihren (liga-übergreifend) zehnten Sieg in Folge hoffte.

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Pechvogel Di María mit drei Torvorlagen

Zum Spiel: José Mourinho kündigte bereits an, genügend Mittel gegen einen sehr defensiv stehenden Gegner zu haben, dem man in der letzten Saison nur drei Punkte abluchsen konnte. Bis zur Eröffnung des Torreigens in der 23. Minute sah es aber noch nicht nach dem „Masterplan“ aus. Gab es bis dahin nur „Halb-Chancen“ durch Ronaldo, Di María & Co. Osasuna stand tief und fand häufig Mittel, um die Ballstafetten der Königlichen zu unterbinden. Die Hausherren hatten klar das Spiel in der Hand und meist auch den Ball am Fuß (über 70% während der 90 Minuten), die Gäste zeigten aber gleichermaßen eine geschlossene und kampfbereite Leistung. In der angesprochenen 23. Spielminute war es dann der gefährlichste Stürmer Europas, der sich als Empfänger einer schönen Di-María-Flanke am Elfmeterpunkt hochschraubte und das Spielgerät in das Netz nickte. Großer Jubel unter den Hausherren, die nun besser wurden, der baskische Widerstand schien gebrochen – dachte man! Minute 30, Pepe befand sich einsatzbereit nach einer Foulbehandlung noch außerhalb des Spielfelds, Osasunas Mittelstürmer Nino lag nach einem Foul direkt vor Casillas Strafraum, Real diskutierte mit dem Schiri, da schaltete Raúl García am schnellsten, legte sich den frei gegebenen Ball hin und spielte zackig auf den freien Ibrahima neben ihm. Und für den war es ein leichtes den Ausgleich durch Casillas Beine zu erzielen. Ein strittiges aber legitimes Tor, da haben die Madrilenen gepennt.

Das Spiel wurde dann hitziger, die einen mit Wut im Bauch, die anderen witterten ihre Chance. Doch einen schien diese erste und erfolgreiche Torgelegenheit des Tabellenachten besonders zu nerven: den unbeteiligten Pepe. Und als hätte Mourinho das Drehbuch selbst geschrieben, war es der Portugiese, der nur vier Minuten später die nächste Hereingabe Di Marías per Skalp ins lange Eck weiterleitete. Hervorzuheben ist hier auch der Argentinier Ángel Di María, der heute erneut über rechts außen flitzte und die ersten beiden Tore fast identisch vorbereitete, indem er mit einer Körpertäuschung das Leder auf seine starke linke Abschussrampe legte und punktgenau in den Strafraum der Basken flankte. Das war aber noch nicht alles, auch beim dritten Treffer der Königlichen in der 40. Minute, ging ein Assist-Sternchen auf das Konto des späteren Pechvogels. Das 3:1 war schon weitaus schöner heraus gespielt: Der gut aufgelegte Özil behauptete am Toraus den Ball und spielte zurück auf den 23-Jährigen. Unnachahmlich spielte der den Ball per linken Außenrist auf Gonzalo Higuaín im Strafraum, ein schneller Haken um den Statisten Lolo und dann nahm der Ball eine wunderschöne Flugkurve in Richtung Torgabel. Toll gemacht und hoch verdient der Pausenstand von 3:1. Fast hätte Mesut Özil noch um ein Tor erhöht, seinem Schuss aus kurzer Distanz standen aber die Fußspitze Fernández und der Torpfosten im Wege.

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Galaktische Halbzeit zwei: Ronaldo erzielt Hattrick

Das Torfest sollte weiter gehen. Aber erst nach einem Schock zu Beginn der zweiten Spielhälfte: Der bisher mit drei Torvorlagen überragende Di María musste mit schmerzverzerrtem Gesicht wegen eines Muskelfaserrisses vom Spielfeld getragen werden. Mourinho hatte vermutlich schon die schlimmsten Befürchtungen und brachte sofort Karim Benzema. Nun also beide Mittelstürmer auf dem Platz... wie würde Madrid spielen? Besser! Das Spiel veränderte sich, statt den Spielstand zu verwalten, dominierten die Hausherren in allen Belangen und konnten wie im Handball Spielzüge um den Strafraum zelebrieren. Man merkte, wie das Team vor der Länderspielpause noch mal alles geben wollte. Allen voran die beiden Außenverteidiger Arbeloa und Coentrão. Die waren zwar beim 4:1 – Foul im Strafraum am zu schnellen Özil, Gelb/Rot für Satrustegui, Ronaldo verwandelte eiskalt (54.) – nicht beteiligt, bereiteten aber die Tore fünf und sechs vor. Der Druck auf die baskische Mittagsmahlzeit nahm ein Maximum an. Alle wollten, jeder durfte mal. Arbeloa flankte – nach Özils Vorarbeit – in den Strafraum und dort stieg erneut Cristiano Ronaldo als einziger hoch und wuchtete das Leder über Keeper Fernández ins Netz. Erneut ein Hattrick des portugiesischen Superstars, über den Osasunas verletzter Verteidiger Rubén schon gesagt hatte, Externer Linkman könne CR7 nur mit einem Seil oder Kopfschuss stoppen … wie wahr, wie wahr! Das war in Minute 58, das königliche Festessen ging fünf Minuten später weiter: dieses Mal über links, dieses Mal über Coentrão. Dessen Flanke wurde vom Gegner verlängert und erneut stand wie in einem Drehbuch Karim Benzema goldrichtig und auch „goldfrei“ vor dem mitleidserregenden Ersatztorhüter Osasunas. Zack, 6:1! Das Spiel war längst entschieden, die baskische Hauptspeiße versuchte Zeit zu schinden, doch den nächsten Höhepunkt der Partie konnten sie nicht verhindern: Die Einwechslung des Nuri Sahin. Die ersten 23 Minuten des besten Bundesligaspielers der vergangenen Saison für seinen neuen Club. Er kam zusammen mit José Callejón für das deutsche Duo Özil und Khedira und hätte mit einem sehenswerten Freistoß in der 77. auch FAST für die Sensation des Spiels gesorgt. Sein schöner Schuss verfehlte den Kasten aber knapp. Das war natürlich nicht alles, der Türke wurde sofort als Ballverwalter und -verteiler neben Alonso ins Spiel integriert und machte seine Aufgabe gut, hatte viele Ballkontakte und war stets anspielbar – als hätte es nie eine halbjährliche Verletzungspause gegeben.

Und als ginge es darum einen Rückstand aufzuholen, spielte das königliche Ballett weiter. Das hochverdiente 7:1 fiel in der 81. Minute, als der wieder genesene Álvaro Arbeloa einen Zweikampf in der Offensive gewann und sofort auf den gedankenschnell zündenden Benzema spielte. Der fackelte nicht lange und stieß den Ball mit der linken Pieke in den Winkel, weltklasse! Den Schlusspunkt setzte jedoch erneut der Mann, der mit seinem vierten (!) Hattrick Lionel Messi in der Torschützenliste (13 Treffer) einholte: Cristiano Ronaldo. Doch dessen Heber von außen mit links sollte am Lattenkreuz scheitern.

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Überragende Torgala mit einem überglücklichen Nuri Sahin

Was für eine Vorstellung der Galaktischen! Beim pünktlichen Abpfiff des Schiedsrichters flüchtete Mourinho zwar schneller als die Basken in die Kabine, das Team wurde aber noch frenetisch gefeiert von den Anhängern, die einen perfekten Sonntagmittag erlebt haben. Obwohl Ronaldo mit Hattrick, war Nuri Sahin der Strahlemann des Tages, die Freude stand ihm ins Gesicht geschrieben. Die Blancos verabschieden sich als Tabellenführer mit einer mehr als überzeugenden Leistung in die Länderspielpause, ehe es am 19. November in Valencia zur nächsten Reifeprüfung kommt. Bis dahin genießt man den Platz an der Sonne zur Mittagssonne in Madrid, wie vor 16 Jahren hat man den Gegner in Grund und Boden gespielt – an diesen Mittagsbrunch könnte man sich gewöhnen!

geschrieben von Nils Kern

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