Champions League Gruppe D 1. Spieltag

Dinamo Zagreb vs Real Madrid
0:1 (0:0)
Die Aufstellungen
Kelava - Tomecak, Vida, Tonel, Ibánez - Calello (87. Situm), Leko, Badelj, Sammir, Kovacic (63. Pokrivac) - Rukavina (75. Beqiraj) Casillas - Sergio Ramos, Pepe, Carvalho, Marcelo - Coentrão, Xabi Alonso, Di María (78. Lass), Özil (78. Higuaín), Ronaldo - Benzema (82. Arbeloa)
Auf der Auswechselbank
Loncaric, Beqiraj, Puljic, Situm, Pokrivac, Morales, Kristanovic Adán, Arbeloa, Varane, Khedira, Callejón, Lass, Higuaín
Die Trainer
Jurcic Aitor Karanka
So fielen die Tore
Fehlanzeige 0:1Ángel Di María53. Min.
Stadion: Stadion Maksimir
Anstoß: 14.09.2011 20:45 Uhr
Schiedsrichter: Svein Oddvar Moen
Assistenen: unbekannt
Zuschauer: 40000

Real rot aber ideenlos, Zagreb kämpft und lauert

ZAGREB. Der Hexenkessel von Zagreb erwartete die Königlichen aus Madrid, das heute als „rotes“ Ballett in den neuen roten Champions League Trikots auflief. Zagrebs Coach Krunoslav Juricgab sich trotz seiner Außenseiterrolle vor dem Spiel selbstbewusst und erhoffte sich vor allem Chancen durch das Fehlen und die Sperre José Mourinhos. Der ließ über seine Vertretung Aitor Karanka die gleiche Elf wie am Wochenende gegen Getafe auflaufen, Coentrão also wieder für Khedira neben Alonso.

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So euphorisch und ambitioniert wie die Fans, die sich nach 12 Jahren Abwesenheit wieder auf Champions League in Zagreb freuten, begannen auch die Hausherren, indem sie Madrid von Beginn an unter Druck setzten. Die Königlichen konnten nur selten kombinieren und ihr Spiel aufziehen, das sie in den ersten vier offiziellen Spielen zu 14 Toren geführt hat. Dinamo stand hinten gut, ließ Benzema & Co. öfter mal im Abseits stehen und kämpfte aufopferungsvoll gegen die scheinbare Übermacht aus Spanien. Cristiano Ronaldos Chance nach zwei Minuten nach Zuckervorarbeit Alonsos folgte lange Zeit wenig – die kroatische Abseitsmauer stand, ebenso wie die Madrider Verteidigung. Benzema nahm öfter Maß, konnte aber außer einem Lattenstreifer nichts Zählbares erreichen – es war noch nicht sein Tag. Es war eher ein Spiel, in dem der erste größere Patzer zu einem Tor führen würde. Fast war es auch soweit, als sich der Franzose mit dem Ball durch den Strafraum dribbelte und mehrere Gegenspieler stehen ließ, das Spielgerät geschickt nach hinten auf Di María legte, der aber am hervorragenden Kelava scheiterte. Der Ball prallte zurück auf den freien Özil, der locker einschieben wollte, doch auch da zuckte der Goali mit einem letzten Lebenszeichen hoch und lenkte den Ball noch am Kasten vorbei - eine Riesenparade des kroatischen Torhüters! Allerdings stand ihm sein Gegenüber, Iker Casillas, in nichts nach: Ante Rukavina wurde nach einer halben Stunde mit einem tollen Pass in den Lauf bedient und enteilte Pepe. Frei auf Reals Nummer 1 zu rennend, sah der Kroate aber keinen Weg an Iker vorbei. Der tat, was ein Welttorhüter tun muss, blieb stehen und wehrte den Ball ab. So wie er es seit 12 Jahren für die Königlichen tut. 1:1 nach hundert Prozentigen und 0:0 zur Halbzeit. Neben dem brasilianischen Spielmacher Sammir war Zagrebs Trainer Jurcic noch der auffälligste und wildeste der Kroaten – davon waren Ronaldo und Özil noch weit entfernt.

Di Marías Tor reicht, um die Kroaten zu bezwingen

In der zweiten Hälfte veränderte sich das Bild: Die Teams unverändert, Zagreb nach wie vor wie kroatische Streitpferde renn- und kampflustig, aber Real plötzlich gefährlicher, zielstrebiger, konsequenter. Da schien Aitor Karanka die richtigen Worte gefunden zu haben. Herausstechend mal wieder die Außenverteidiger Ramos und Marcelo, die vorne zu zwei Großchancen auflegten. Ronaldos Bombe, vorbereitet durch Sergio Ramos, konnte Kelava gerade noch entschärfen. Anders bei Marcelos Vorlage auf Di María: die führte zum Tor! Wie zuletzt schon öfter zu sehen war, ging die Kugel wie beim Handball um den Strafraum rum. Ronaldo außen, Benzema am Eck und Marcelo an der Strafraummitte, die Verteidigung kam nicht mit und Di María stand rechts völlig blank. Der wurde bedient und zog direkt mit seinem linken Zauberfüßchen ab. Ivan Kelava konnte nur hinter sich schauen (52.). Der kroatische Widerstand war gebrochen, das rote Ballett wollte zaubern – doch es wurde nicht schöner, sondern ruppiger, Dinamo langte hin...und gab erst recht nicht auf!

Das Spiel hatte endlich die erwartete Spannung und die rote Defensive bekam Arbeit. Die königlichen Außenverteidiger blieben im Fokus. Ramos hatte mehrere Chancen vorne und wuchs hinten über sich hinaus, für Marcelo wurde es jedoch rot. Der Brasilianer sah innerhalb von drei Minuten zwei mal Gelb, das zweite Mal für eine Schwalbe der Kategorie „Warum?“ (72.). Zagreb witterte weiter seine Chance, bekam immer mehr Spielanteile und griff ab der Mittellinie an. Karanka musste wechseln: der wie immer fleißige Coentrão durfte auf den linken Flügel für Torschütze Di María, der ging für Lass, Higuaín kam für den eher blassen Özil und auf die freie LV-Position kam Arbeloa, der den sehr starken, aber letztendlich glücklosen Benzema ablöste. Das Team hielt gegen anrennende und aufopferungsvoll kämpfende Kroaten stand. Die Zuschauer peitschten die Hausherren nach vorne, doch summar summarum kam zu wenig Zwingendes. Als Schiri Oddvar Moen nach 94 Minuten die Partie beendete, war die Kraftmission Zagreb geschafft, die kroatische Hauptstadt eingenommen. Das war Schritt Eins Richtung München. Der Zauber fiel aus aufgrund eines Gegners, der taktisch gut eingestellt war und seine Chance 90 Minuten lang witterte. Die drei Punkte gehen jedoch nach Madrid. Zuschauer Mourinho wird nicht zufrieden sein – zu unkreativ agierte man vorne, Benzema als Alleinunterhalter konnte da logischerweise nur torlos das Feld verlassen, zu blass spielten seine Offensiv-Kollegen. Aber angesichts des „dinamischen“ Widerstands und der soliden Defensive Reals, kann man sich immernoch in Madrid blicken lassen, Underdog hin oder her. Seit 38 Jahren lief Real Madrid mal wieder in rot auf. Für Traumfußball und -tore wird dieses Outfit vorerst nicht stehen – aber für drei Punkte zum Auftakt der Champions League 2011/2012. 

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Kurzstatistik zum Spiel

Dinamo de Zagreb: Kelava; Tomecak, Vida, Tonel, Ibáñez; Calello (Situm ‘87), Badelj; Kovacic, Sammir, Leko und Rukavina (Bekiraj ‘75)

Real Madrid: Iker Casillas; Sergio Ramos, Pepe, Carvalho, Marcelo; Xabi Alonso, Coentrão; Di María (Lass ‘77), Özil (Higuaín ‘77), Cristiano und Benzema (Arbeloa ‘82)

Tore: 0-1 (‘53) Di María

Schiedsrichter: Oddvar Moen (Norwegen)

Stadion/ Zuschauer: Maksimir Stadium, 37.168 Zuschauer

geschrieben von Nils Kern

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