Copa del Rey Achtelfinale

Real Madrid vs FC Málaga
3:2 (0:2)
Die Aufstellungen
Casillas - Arbeloa (45. Khedira), Pepe, Raúl Albiol, Marcelo - Lass, Xabi Alonso, Callejón (45. Benzema), Kaká (45. Özil), Ronaldo - Higuaín Caballero - Sergio Sánchez, Demichelis, Mathijsen, Monreal - Toulalan, Apoño, Cazorla (79. Buonanotte), Seba Fernández, Isco (66. Duda) - van Nistelrooy (61. Rondón)
Auf der Auswechselbank
Adán, Varane, Coentrão, Altintop, Khedira, Özil, Benzema Rubén, Eliseu, Buonanotte, Camacho, Duda, Juanmi, Rondón
Die Trainer
José Mourinho Pellegrini
So fielen die Tore
1:2Sami Khedira68. Min.
2:2Gonzalo Higuaín70. Min.
3:2Karim Benzema78. Min.
0:1Sergio Sánchez10. Min.
0:2Demichelis29. Min.
Stadion: Santiago Bernabéu
Anstoß: 03.01.2012 22:00 Uhr
Schiedsrichter: Fernando Teixeira Vitienes
Assistenen: unbekannt
Zuschauer: 83500

Katastrophale Eckenabwehr – Real zur Halbzeit 0:2 zurück

MADRID. Der Start ins so heiß ersehnte und bereits mit den höchsten Hoffnungen gefüllte Fußballjahr 2012 hätte für den Madridista nicht viel unangenehmer beginnen können – eine mehr als dürftige erste Halbzeit endete mit 0:2 für den Herausforderer aus Málaga, den man in der Liga noch mit 0:4 auswärts abfertigte. Nun stand als Spiel Nummer 1/2012 das Hinspiel in der Runde der Letzten 16 des Copa del Rey im Bernabéu an, nachdem man im Dezember noch Drittligist Ponferradina mühelos überwand. Doch entgegen aller Erwartungen schien dieser Auftakt gehörig in die Hosen zu gehen – mit Pfiffen begleiteten die Fans ihr Real in die Kabinen, das von Mourinho nach der Pause auf gleich drei (!) Positionen verändert wurde – sieht man auch nicht alle Tage.

Bis zu diesem Moment, hatten die Königlichen das Spiel eigentlich in der Hand – eigentlich. Der Ernsthaftigkeit eines Pokalspiels waren sich beide Teams bewusst, so stand man sich zu Beginn mit offenen Messern entgegen. Doch statt Jubel auf Seiten der Heimmannschaft, klingelte es in den ersten 45 Minuten zwei Mal in Casillas Kasten. Und das zwei Mal nach eher unscheinbaren Ecken Cazorlas, bei der die Andalusier deutlich mehr Wille und Durchschlagskraft aufs Parkett legten und durch die Köpfe der Verteidiger Sánchez (10.) und Demichelis (29.) in Führung gingen. Erst stieg der Ex-Madrilene höher als seine eingeschlafenen Bewacher Higuaín und Alonso, und dann erhöhte der Argentinier auf Zwei, als er am Fünfer Ronaldo ganz simpel übersprang. Das nicht ganz unverdiente zweite Tore wird auch Iker Casillas, dem Mourinho den Vorzug vor Ersatzkeeper Adán ließ, auf die Kappe nehmen müssen – sein Faustversuch kam schlichtweg zu spät und wurde von Martín Demichelis bereits in der morgigen Ausgabe der MARCA vorhergelesen.

Die restliche Zeit war eher für Geräusche aus dem Mund bestimmt: Gähnen und Pfeifen. Die Hausherren hatten deutlich mehr Ballbesitz, konnten sich aber keine Chancen erarbeiten. Zu unkreativ wirkte das Spiel, zu gering war die sonst so geschlossene gegenseitige Hilfe. Fand im letzten Spiel 2011 noch jeder lange Ball seinen Abnehmer im Sturm, fruchteten nun weder Xabi Alonsos Pässe noch Callejóns läuferische Fähigkeiten. Auch die Defensive von Ex-Madrid-Coach Pellegrini, dessen Externer LinkAussagen keinesfalls auf Unentschieden zu spielen sich bewahrheiteten, verteidigte brillant. Ronaldo, Kaká & Co. durften ihre Übersteiger ausführen, doch völlig unbeeindruckt blockte oder fing man bis auf einen gefährlichen Linksschuss des Portugiesen jeden Schuss- oder Flankenversuch ab. Und sollte es mal brenzlig werden, nutzten die Dunkelblauen die vorher gezeigten Messer im Gegensatz zu den Blancos, und streckten nach und nach die Offensivkünstler nieder. Gute Taktik, gute Einstellung, Herr Pellegrini.

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Das königliche Gesicht: Khedira, Higuaín und Benzema drehen Spiel

Zurück zum zeichensetzenden Dreier-Wechsel zur Pause des wütenden und während der zweiten Spielhälfte sehr auffälligen und lautstarken Mourinhos. Für die zwar bemühten aber eher unglücklichen Kaká und Callejón und den nicht ganz fitten Arbeloa sollten Özil, Khedira und Benzema die Wende im Spiel bringen. Und das taten sie! Die 80.000 Fans sahen von Beginn an willensstarke Gladiatoren, die um die nächsten Tore kämpften. The Special One schien ihnen ein ordentliches Tröpfchen Aggressivität in den Zaubertrank getan zu haben. Früh hätten Ronaldo und Benzema Málaga zittern und Madrid jubeln lassen können – doch es dauerte bis zur 68. Spielminute, da stopfte Sami Khedira seinen ganzen Willen und möglicherweise auch Frust aufgrund der Jokerrolle in seine Schuhe, tankte sich mit Ball schnurstracks durch Pellegrinis Mauerwerk und knallte die Kugel satt in die Maschen. Das war der Startpfiff für noch mehr Power! Spaniens Tabellensiebter hatte den Schwanz sichtlich eingezogen und versuchte durch sichere Bälle hinten rum zurück ins Spiel zu finden – nicht so mit Schlitzohr Higuaín. Der sprintete blitzgescheit zwischen einen viel zu kurzen Rückpass des 0:1-Schützen Sánchez und Torhüter Caballero, umkurvte sogleich den Keeper und schob mit links und aus spitzem Winkel ein. Und das nur rund 90 Sekunden nach Khediras Anschlusstreffer. Tosender Jubel auf den Rängen, der in Minute 78 ans Maximum anstieg: Ramos-Vertreter Albiol mit einem starken, flachen Pass in die Spitze auf Higuaín, der zückte in einem galaktischen Moment seine Hake und leitete den Ball direkt weiter in den Lauf seines Sturmpartners Benzema. Der war zwei Schritte schneller als Demichelis und feuerte das Leder aus wenigen Metern zur 3:2-Führung ab. Obwohl knapper Spielstand schien es das schon gewesen sein. Málaga, bei denen der unauffällige Ruud van Nistelrooy übrigens nach 60 Minuten ausgewechselt wurde, erholte sich von diesem Madrider Sturmlauf nicht mehr und konnte in der zweiten Halbzeit kaum offensive Akzente setzen. Stattdessen hatten erneut Benzema und Ronaldo ansehnlichste Möglichkeiten auf weitere Tore, doch auch der Schlussknaller dieser irren Partie – ein sehenswerter Seitfallzieher des Portugiesen, der zwar im Tor landete, aber aus Abseitsposition entstand – veränderte an dem 3:2-Sieg nach 0:2-Rückstand nichts mehr. So bitter und enttäuschend die ersten 45 Minuten 2012 begannen, durch die zweiten fanden Fans und Trainer schnell wieder Versöhnung mit ihrer Mannschaft.

Auf den Feuerspeier Mourinho darf man nach der Partie gespannt sein, er polterte beide Male vor dem Abpfiff der Unparteiischen in die Kabinen und fand sich während des Spiels nicht nur ein Mal im Fokus der Kameras oder des Schiedsrichters. Auch die Mannschaft hat sich heute sicherlich nicht mit Glanz bekleckert und schien im Fußball-Schulbuch das Ecken-Kapitel ausgelassen zu haben, doch man zeigte Moral und Kampfgeist und drehte ein fast schon verloren geglaubtes Spiel fast lockerleicht in einen Sieg um. Lassana Diarra und Sami Khedira verdienen dabei besonderes Lob. Gelten sie sonst als Schoßhunde Alonsos, kurbelten sie heute ein ums andere Mal das Spiel an – auch mal mit kleinen Zaubereinlagen, in denen der Gegner gedemütigt und glorreiche Torgelegenheiten ermöglicht wurden. Das Liga-Heimspiel am Samstag (20 Uhr) gegen Granada wird sicher Aufschluss geben, ob sich die beiden mit diesen Leistungen einen Stammplatz verdient haben..

geschrieben von Nils Kern

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