| ZSKA Moskau | vs | Real Madrid |
![]() |
1:1 (0:1) | ![]() |
| Die Aufstellungen | ||
|---|---|---|
| Chepchugov - Berezoutski, Ignashevich, Berezoutski, Shennikov - Aldonin (68. Honda), Wernbloom |
Casillas - Arbeloa, Pepe, Sergio Ramos |
|
| Auf der Auswechselbank | ||
| Revyakin, Semberas, Honda, Rahimic, Oliseh, In-Sung, Necid | Adán, Raúl Albiol, Carvalho, Marcelo, Granero, Kaká, Higuaín | |
| Die Trainer | ||
| Sluzki | José Mourinho | |
| So fielen die Tore | ||
| 1:1Wernbloom90. Min. | 0:1Cristiano Ronaldo28. Min. | |
| Stadion: | Olympiastadion Luzhniki |
|---|---|
| Anstoß: | 21.02.2012 18:00 Uhr |
| Schiedsrichter: | Björn Kuipers |
| Assistenen: | unbekannt |
| Zuschauer: | 72800 |
MOSKAU. Trotz ewig langer Führung wurde die Luschniki Olympiakühltruhe für Real Madrid doch noch zur gefürchteten Stolperfalle! Aber statt der Heimmannschaft waren während der regulären 90 Minuten eher der knüppelharte Kunstrasen und die fröstelnden drei Grad minus die Gegner Madrids, deren mediterranes Zauberspiel bis zum erlösenden Führungstreffer gehemmt war. Rot-Blau fand praktisch nur in einer Szene außerhalb der regulären Spielzeit statt. Dabei hatte man das Gefühl, dass nach Ronaldos Eisbrecher in der 28. Spielminute das Spiel gelaufen war. Das mit über 80.000 Zuschauern gefüllte Stadion (Rekord für ein Pflichtspiel von ZSKA!) sorgte zu Beginn für eine hitzige Stimmung – kein Wunder, Anfang Dezember endete das letzte Pflichtspiel und damit die Saison für den russischen Vizemeister. Dies merkte man den Moskowiten ebenfalls an. Im Aufbauspiel unterliefen den nervösen Russen die ein oder anderen überhasteten und unnötigen Abspielfehler. Hatte der Favorit den Ball in seinen Reihen, lief es besser für die Russen: Hinten machten zwei dichte Viererketten den Offensiv-Stars das Zusammenspiel schwer und statt sich auf das Maurerhandwerk zu beschränken, pflegten sie nach vorne hin ein aufwändiges Pressing-Verhalten.
So fand sich der gut eingepackte Mourinho, der sich in der Offensive für den effektivsten Stürmer der Gruppenphase, José Callejón, statt Kaká entschied, in einer heiklen Anfangsphase wider. Doch mit den Minuten kam immer deutlicher die Sicherheit in den Madrider Ballbesitz, auch wenn jedem noch leichte Stopp- oder Abspielfehler anzusehen waren. Als man dann nach der Sicherheit auch Gefährlichkeit ausstrahlte, musste man vorangehend aber einen Verlust hinnehmen: Karim Benzema griff sich nach einem Schuss aus der Luft ohne gegnerisches Einwirken schmerzverzerrt an die Leiste und wurde sofort für den „kalten“ Gonzalo Higuaín ausgewechselt (14.). Dass der nicht viel Vorglühen benötigt, bewies er kurz darauf, als Moskaus zweiter Keeper Chepchugov (Torhüterstar Akinfeev fehlte verletzt) nach schönem Direktspiel zwischen Ronaldo, Khedira und Higuaín eine Doppelchance für Madrid parierte. Wenige Minuten später verlief es aber anders: Typisch für Higuaín, stibitzte er dem fahrlässigen Verteidiger den Ball ab, legte sofort zurück auf den herannahenden Coentrão, der brachte eine lange Flanke in den Strafraum und Tošic krumme Kopfballabwehr landete auf Ronaldos vereistem Fuß. Und mit voller Wucht ließ der Portugiese dem russischen Keeper keine Chance und drosch das verhärtete Leder aus 13 Metern ins lange Eck. Warme Luft stieß aus den königlichen Lungen. Dieser Führungstreffer war nicht nur wichtig, er brachte Real auch noch mehr Sicherheit ins Spiel. Im Nachhinein vielleicht zu viel, der Treffer des Abends sollte es nicht bleiben. Dem Torschützen (Ronaldos 4. Tor in dieser CL-Saison) gelangen nun auch die ersten Kunststückchen auf ungewohntem Terrain, der russische Vize verrannte sich immer mehr – wurde von der soliden und bis auf eine Unachtsamkeit fehlerfreien Madrider Defensive aber auch oft auflaufen gelassen.
Und dieses Bild galt auch für die zweiten 45 Minuten. Real hatte das Spiel klar in Griff. Traute sich zum Wideranpfiff sogar erst nicht raus und musste erst durch den souveränen Schiedsrichter aus der kuschligen Kabine geboten werden. Dann zog man das Spiel auf, mit dem man auch in der Liga nach einer Führung den Gegner kaum noch rankommen ließ. Madrid kam zwei Mal durch Callejón, später durch einen schon oft gesehenen Ramos-Eckkopfball zu Chancen und dann kam Ronaldo zwei Mal nach schönen Vorarbeiten durch Alonso in Position, scheiterte aber am stets wachen und warmen Keeper Moskaus. So schien man sich auf den verdienten 1:0-Auswärtssieg verständigt zu haben.
Kaká kam für Callejón und mit Albiols Einwechslung für Özil wollte Mourinho dann auch die allerletzten Zweifel am 7. Champions-League-Sieg in Folge zerschmelzen. Denn Moskau stellte den Spielbetrieb nicht ein, scheiterte einfach immer öfter an sich selbst. Und wer weiß, ob der hibbelige Coach Slutsky sich seiner Sache so sicher war, als er Ende der dreiminütigen Nachspielzeit alle seine Mannen zu einem letzten Freistoß, einer allerletzten Gelegenheit nach vorne befahl. Vermutlich, immerhin hatte ZSKA in seiner Gruppenphase 4 seiner 9 Treffer in den letzten Minuten der Halbzeiten erzielt und stand erst dadurch im Achtelfinale. So kam, was kommen musste, wie es keiner hat vorhersehen können und wovor Mourinho im Vorfeld ausdrücklich warnte: die moskau'schen Standards! Spielmacher Dzagoev brachte den Freistoß in den Strafraum, und wenn in dieser gefährlichen Zone vorm Tor drei Gegenspieler nach und nach an den Ball kommen, kann es fast nur logisch sein, dass Neuzugang Wernbloom aus kurzer Distanz die Sensation des Abends erzielte! Das erste Auswärts-Gegentor Reals in dieser Königsklassen-Spielzeit und damit verbunden der erste Punkteverlust überhaupt! Erst Ramos, dann Arbeloa, dann Alonso - stellvertretend für das gesamte Team schienen die drei Spanier mit den Gedanken zu früh in der kuschligen, wärmespendenden Kabine gewesen zu sein. Moskau witterte seine einzige und letzte Chance, ging viel energischer dazwischen und wurde belohnt.
Das Tor in der 92. Spielminute gibt Moskau Hoffnung und Madrid einen herben Dämpfer. Aber sicherlich auch eine Lektion! Schmerzlich wie lehrreich zugleich. Aber für das Rückspiel am 14. März (20:45 Uhr) sollte man nun über die hinterhältigen Fähigkeiten des Gegners bescheid wissen. Bis dahin hat man ja noch drei Spiele in der Liga, um zu lernen dass erst dann „Schluss ist, wenn der Schiedsrichter abpfeift!“
Anzeige