Nicht nur die absoluten Top-Vereine des Weltfußballs legen seit geraumer Zeit großen Wert auf die Jugendarbeit. Diesen Clubs ist jedoch auf Grund ihres Bekanntheitsgrades und der entsprechenden, finanziellen Mittel ein großer Vorteil gegeben. Man ist darauf bedacht, den Star von morgen möglichst selbst auszubilden und an den Club zu binden, als ihn später für hohe Ablösesummen zu verpflichten.
Ein Vorbild in Sachen Jugendarbeit ist zweifellos die Schule Real Madrids. Wir möchten Ihnen in den folgenden Zeilen diese Erfolgsgeschichte der Castilla, der zweiten Mannschaft Reals, bis zur Juvenil C, den jüngsten Sprösslingen, näher bringen.
Vor und auch nach dem Bürgerkrieg erfüllten viele Amateurclubs der spanischen Hauptstadt die Aufgabe der heutigen Castilla. Gegen finanzielle Unterstützung dienten diese Clubs als Talentschmiede.
Im Jahre 1947 schloss der legendäre Präsident Santiago Bernabéu ein entsprechendes Abkommen mit der Agrupación Deportiva Plus Ultra, einem 1930 gegründetem Sportverein, bis der spanische Verband 1952 alle Profiteams zu der Gründung einer eigenen Amateurmannschaft verpflichtete. Somit wurde Deportiva Plus Ultra zu offiziellen, zweiten Mannschaft Real Madrids.
Allerdings entschloss man sich in Folge sportlicher und finanzieller Misserfolge zur Schließung der AD Plus Ultra. Somit wurde 1972 die Castilla Club de Fútbolvon Real Madrid selbst gegründet. Zwischen 1990 und 2005 trug die Mannschaft auf Grund eines Beschlusses des spanischen Fußballverbundes jedoch den Namen Real Madrid B, bis der Verband im Jahre 2005 einen Antrag auf Namensänderung in Real Madrid Castilla genehmigte.
Den größten Erfolg verzeichnete die zweite Mannschaft im Jahre 1980 mit dem Erreichen des Finales der Copa del Rey, welches jedoch ausgerechnet gegen die erste Mannschaft der Los Blancos mit 1 : 6 verloren ging. Die erste Garde gewann in diesem Jahre ebenfalls die Meisterschaft, was die Reserve somit im Folgejahr sogar zur Teilnahme am Europapokal der Pokalsieger, dem Vorläufer der Championsleague, berechtigte. Leider musste man sich in diesem Wettbewerb bereits in der ersten Runde gegen den englischen Teilnehmer West Ham United nach Verlängerung mit 1 : 5 geschlagen geben, nachdem das Hinspiel sogar mit 3 : 1 gewonnen wurde. Trotz allem ein beachtenswerter Erfolg einer zweiten Mannschaft, der in ganz Europa so nicht wiederholt werden konnte.
Ein weiterer Meilenstein der Castilla ist sicherlich der Meistertitel der Segunda División im Jahre 1983/84, der zum Aufstieg in die erste Liga berechtigt. Leider konnte man die Früchte dieses Erfolges nicht ernten, da die Reserve nicht in der gleichen Spielklasse wie das erste Team tätig sein darf. Viele legendäre Spieler, die sich später natürlich in der ersten Mannschaft wieder fanden, brachte die Castilla dieser Zeit hervor: Camacho, del Bosque, Sanchís, Míchel, Vázquez und Butragueño, um nur einige zu nennen.
Aktuell läuft die zweite Mannschaft in der Segunda División B auf, nachdem man die Saison 2006/2007 leider nur mit dem 19 Tabellenplatz beenden konnte.
Weitere, bekannte und aktuellere Namen, die aus der Castilla hervorgingen sind folgende : Raúl, Guti, Casillas, Raúl Bravo, Samuel Eto´o, Cambiasso, Mista, Álvaro Arbeloa, Portillo, Miguel Torres und Soldado. Aktueller Trainer der Reserve ist Julen Lopetegui, während von den ehemaligen Trainer die Namen Rafael Benítez und Vicente del Bosque den meisten geläufig sein dürfte.
Es gibt auch deutsche Beteiligung in der Castilla. Christopher Schorch, der auch schon für die deutsche U-19 Nationalmannschaft tätig war, trägt nun auch das weiße Trikot und stammt ursprünglich aus der Jugendabteilung von Hertha BSC Berlin. Der Jahrgang 1989 läuft für Real in der Verteidigung auf.
Die Castilla ist ohne Zweifel ein Sprungbrett für viele Talente in die ersten Ligen dieser Welt. Wenn auch nicht jeder anschließend das legendäre, weiße Trikot überstreifen darf, so finden doch viele ihren Platz in anderen Clubs. Alleine in der Primera División findet man teilweise bis zu 40 Spieler, die aus der Talentschmiede Real Madrids stammen. Das Ziel des Trainerstabs ist es, jedes Jahr mindestens einen Spieler zum Aufstieg in das erste Team zu verhelfen.
Der Traum eines kleinen Jungen irgendwann mal im weißen Trikot im Santiago Bernabeú auflaufen zu können dürfte sich wohl am ehesten erfüllen, wenn er bereits die Jugendmannschaften Real Madrids durchlaufen konnte.
Auch hier setzt der Club de Fútbol sicherlich Maßstäbe. Bei der Entwicklung und Ausbildung der jungen Talente wird nichts dem Zufall überlassen und das Streben nach Perfektion ist unübersehbar. So früh wie möglich will man das Talent erkennen und optimal fördern.
Die Jugendmannschaften sind von der „Unter 8“ bis zu der „Unter 20“ gegliedert. In den zwölf Mannschaften tummeln sich zurzeit ca. 253 Kicker, deren Ziel es ist, sich über die Castilla für das erste Team zu empfehlen.
Bei der Ausbildung folgt Real Madrid einer eigenen Philosophie, der man sich verschrieben hat. Man bildet nicht nur den Sportler, sondern auch den Menschen aus! Man will den Jugendlichen auf die Zukunft als Real-Profi vorbereiten, und das hinsichtlich beider Gesichtspunkte.
Damit auch die Eltern und der junge Fußballer diese Philosophie verinnerlichen verdeutlicht Real Madrid diese mit Hilfe dreier Broschüren: das Willkommensheft ( Historie der Clubs, die Bedeutung eines Real-Profis, Positive Beispiele früherer Stars ), das „blaue Buch“ ( Rechte und Pflichten des Spielers ) und schließlich die Broschüre „die Eltern spielen auch“, in der Mutter und Vater spezielle Tipps im Umgang mit der neuen Situation gegeben werden.
Real Madrid hat sich bewusst gegen die Gründung von Fußballinternate für alle Spieler entschlossen. Man will möglichst gewährleisten, dass die Spieler auf dem Boden der Tatsachen bleiben, da schon junge Kicker des Clubs bewundert werden. Daher möchte man sie möglichst in ihren Familien belassen.
Da natürlich nicht alle betroffenen Familien aus Madrid stammen, werden die Jungen zwischen 8 und 13 Jahren häufig in Gastfamilien untergebracht, die natürlich entsprechende finanzielle Unterstützung erhalten. Spieler im Alter von 14 bis 18 Jahren, deren Familien nicht im näheren Umkreis Madrids ansässig sind, leben im kirchlichen Internat Estanislaus de Koska. Zusätzlich existiert noch eine Kooperation zwischen einer kirchlichen Universität und dem Club, auf dem die Jungen studieren können.
Am Vormittag befinden sich die Spieler selbstverständlich in der Schule. Damit auch diese Leistungen nicht vernachlässigt werden stellt der Club zusätzlich zwei eigene Lehrer zur Verfügung, die bei schulischen Problemen Abhilfe schaffen. Man legt auf eine stabile Persönlichkeit extremen Wert.
Trainiert wird an vier Nachmittagen in der Woche. Sonntags werden die Spiele ausgetragen und die restlichen zwei Nachmittage sind frei. Bei der Ausbildung der Kicker setzt Real Madrid besonders auf ehemalige Profis, die mit Ihrer Erfahrung genau wissen, worauf es wirklich ankommt. Man beginnt früh mit der Taktikschulung, da die Kinder in jungen Jahren am schnellsten lernen. Von Beginn an wird das Spielprinzip des Clubs vermittelt.
Nur wer den Ball hat, kann Tore schießen! Ein hoher Anteil an Ballbesitz ist unumgänglich. Aber nicht nur Taktik und Technik soll vermittelt werden; man setzt auf Ganzheitlichkeit. Die Spieler bekommen Persönlichkeitscoachings, klare Entwicklungsziele und selbst bei den kleinen Kickern werden Spiele bereits per Videoaufzeichnung analysiert. Man bildet starke Charaktere aus, die dem Druck des Profifußballs gewachsen sind.
In der Jugendabteilung Madrids tummeln sich zweifellos eine Menge Talente. Ein Name jedoch dürfte wirklich jedem ins Auge stechen: Enzo Zidane! Der Sohn des Ausnahmefußballers aus Frankreich spielt für die U-15 Real Madrids. Sein Vater wollte ihm ursprünglich die Last des bekannten Namens nehmen. So spielte der Spross zunächst unter dem Namen Enzo Alan Martinez. Allerdings flog die Tarnung durch die außergewöhnlichen Leistungen des Jungen und die Art, wie er den Ball und Gegner behandelt, schnell auf. Wie ein allseits bekanntes Sprichwort schon sagt: der Apfel fällt nicht weit vom Stamm!
Einen weiteren, prominenten Namen finden wir in der U-20 B der los Blancos. Andreas Retz Laudrup, dessen dänischer Vater Michael für die Madrilenen von 1994 bis 1996 tätig war, bearbeitet das Mittelfeld des Teams. Und die beiden bereits genannten Talente sind nicht die einzigen Kinder ehemaliger Weltklassespieler Madrids. Bei hoffnungsvollem Nachwuchs dürfen wir weitere Namen nicht verschweigen: Cristian Benavente ( U-15, Mittelfeld ), Carlos Exposito ( U-20 C, Mittelfeld ) und Pablo Sarabia ( U-20 C, Mittelfeld ) haben sich ebenfalls bereits einen Namen gemacht und auch Begehrlichkeiten internationaler Top-Clubs geweckt. Zum Beispiel haben bereits der FC Liverpool, Manchester United und der FC Arsenal reges Interesse an dem U-17 Nationalspieler Sarabia gezeigt und entsprechende Angebote unterbreitet.
Wichtig zu erkennen ist, dass bei der Ausbildung das Augenmerk eben nicht nur auf die fußballerische Komponente gelegt wird. Der Spieler wird stets auch mit mindestens der gleichen Gewichtung als Mensch wahrgenommen und auf das Leben eines Fußballprofis mit seinen eventuellen Problemen vorbereitet.
Der Club hat mit seiner Philosophie verinnerlicht, dass immer beide Seiten im Einklang stehen müssen, um eine erfolgreiche Karriere anstreben zu können.
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