Zwei Meisterschaften, ein Champions-League-Triumph, ein Weltpokal, zwei Supercopa de España, ein europäischer Super Cup... Das sind die Titel, die Real von 2000 bis 2006 unter Florentino Pérez gesammelt hat.
Jahre, in denen Real das Aushängeschild des Offensivfußballs wurde und jedes Jahr ein absoluter Superstar das Trikot von Real überzog.
Der 16. Juli 2000 ist ein historischer Tag für Real und seine Madridistas, denn es ist jener Tag, an dem Perez Präsident von Real wurde, indem er bei den Wahlen Lorenzo Sanz besiegte. Und mit ihm kam auch der erste Galaktische, Luís Figo.
In dieser Spielzeit gewann Real am Ende die Liga mit Spielern wie eben Figo, Raúl, Hierro, Roberto Carlos, Morientes oder Guti.
In der darauffolgenden Saison 2001/02, war die internationale Bühne Reals Bühne.
Champions League, europäischer Super Cup und Weltpokal. Titel, mit denen Real seine Jahrhundertfeier wirklich gebührend feiern konnte.
Vor dieser Saison gelang es Pérez, einen weiteren Galaktischen zu verpflichten. Niemand anderes als Zinédine Zidane streifte sich fortan das Trikot des weißen Balletts über. Dass sich dieser Transfer lohnte, bewies vor allem durch den Siegtreffer im Champions-League-Finale gegen Bayer Leverkusen 2002.
Pérez hatte es geschafft, für diese Saison eine der besten Mannschaften zusammenzustellen, die Europa je gesehen hat.
Im Sommer kam dann ein Titel zum ersten Mal in die Trophäenkammer, nämlich der europäische Super Cup.
Ein weiterer Titel kam später auch noch dazu, der zweite Weltpokal. An den Titelgewinnen maßgeblich beteiligt war der dritte von Pérez verpflichtete Galactico: Ronaldo.
In der Saison 2002/03 erlebten die Madridistas einen spannenden Kampf um die Meisterschaft zwischen Real Madrid und San Sebastian, bei dem sich der Rekordmeister schlussendlich durchsetzen konnte.
Einen großen Anteil hatte ohne Zweifel der Neueinkauf Ronaldo, der sich als wahrer Torjäger entpuppte.
Später gab es den sechsten spanischen Super Cup. Mit dabei war auch der vierte Galaktische, David Beckham. Auch dieser Coup war allein Pérez zuzuschreiben.
Die Erfolge unter Pérez beschränken sich aber nicht nur auf den Fußballbereich. Auch wurde die Basketballmannschaft entscheidend verstärkt.
Das Ergebnis war eine junge, dynamische und erfolgshungrige Mannschaft, die mehrmals die Meisterschaft und den nationalen Pokal für sich entscheiden konnte. Auch die Nachwuchsabteilung wurde von Pérez neu strukturiert. Real Madrid Castilla stieg in die 2. Liga auf und spielte eine sehenswerte erste Spielzeit.
Aber nicht nur die Castilla wurde neu strukturiert, nein, die gesamte Jugendabteilung, von Real Madrid C bis zu den F-Jugenden wurde alles neu geplant, um viele Talente zu fördern. Einige haben es in die heutige erste Mannschaft geschafft, oder wurden an große Klubs verkauft oder verliehen. Ein Zeichen dafür, dass die Welt die Jugendarbeit von Real Madrid schätzt.
Mittlerweile kann sich die Jugendabteilung ohne Probleme mit der Jugendabteilung des AFC Ajax Amsterdam messen.
Vor zwei Jahren wurde erstmals etwas geschafft, dass es schon lange nicht mehr in Madrid gab. Es wurde ein Rekord-Umsatz gemacht, mit dem der Klub zum umsatzstärksten Klub der Welt aufstieg.
Aber bis zu diesem Zeitpunkt gab es viel Arbeit zu verrichten, denn im Jahr 2000, in dem Pérez den Klub übernahm, gab es einen Schuldenberg von knapp einer halben Milliarde Euro.
Diese Entwicklung kann keiner so gut beschreiben, wie der, der hauptverantwortlich dafür ist. Und zwar Florentino Pérez.
„Heute sind unsere Einnahmen viel höher als unsere Ausgaben. Ein Zeichen dafür, dass mein Modell gefruchtet hat. Das Eigentum des Vereins, das wir verkaufen mussten, haben wir in der Zwischenzeit wieder bekommen und bauen die Marke Real Madrid mit einem runderneuerten Stadion und einer komplett neuen Ciudad Deportiva weiter aus.Erst einmal mussten wir unsere Schulden tilgen. Das war nach dem Verkauf der Ciudad Deportiva nun kein Problem mehr. Dabei habe ich natürlich meine Kontakte spielen lassen, um das Höchstmögliche für Real zu erzielen. Aber damit war nur ein Problem beseitigt. Real musste wieder zu dem werden, was es früher einmal war. Real musste zu einem eigenständigen Verein werden, der nicht von Millionen anderer abhängig war. Deshalb wurden die gesamten Strukturen des Vereins erneuert, besonders in Sachen Marketing wurde einiges neu strukturiert, weswegen Real heutzutage mehr Wert ist, als alle anderen Vereine auf der Welt. Ein weiterer Punkt waren Transfers. Natürlich mussten neue Spieler her, aber sie sollten nicht nur sportlich weiterhelfen, sondern auch wirtschaftlich Sinn machen. Spieler wie Figo, Zidane, Ronaldo und vor allem Beckham, haben aus rein wirtschaftlicher Sicht dem Verein enorm geholfen. Nicht nur deren Ablösesumme und deren gesamtes Gehalt plus Prämien wurde durch Trikotverkäufe, Reals Anteil an ihren Sponsorengeldern und weitere Marketingmaßnahmen ausgeglichen, nein, es wurde sogar mehr Geld verdient. Durch diese komplett neue Vereinspolitik und durch die neue Infrastruktur haben wir Real auch wirtschaftlich gesehen, zum Non Plus Ultra des Fußballs gemacht.“
Mit diesen Worten fasste Florentino Pérez seine Arbeit bei Real Madrid zusammen. Und die Statistiken sprechen für ihn:
Das alles wäre ohne Pérez nicht möglich gewesen. Auch heute noch, wenn Real wieder am Ende eines Geschäftsjahres bei den umsatzstärksten Klubs ganz oben steht, ist das fast vollkommen Pérez zu verdanken. Und das wird sich in den nächsten Jahren auch nicht ändern. Auch der erst vor kurzem geschlossene TV-Deal über eine Milliarde Euro wäre vor wenigen Jahren nicht denkbar gewesen.
Seine ständige Kommunikation mit den Mitgliedern und sein Interesse an der Verbesserung der Beziehung zwischen dem Klub und den Fans, sind auch wesentliche Bestandteile seiner Vereinspolitik gewesen.
Nicht nur das Wirtschaftliche sollte vorangetrieben werden, auch der Dialog mit den Fans sollte gesucht werden. Zudem sollte der Service für die Madridistas verbessert werden, indem man die eigene Internetpräsenz verbesserte und das Konzept für einen eigenen TV-Sender entwickelte.
Florentino Pérez hat in Fernsehsendungen, Interviews oder nur in privaten Gesprächsrunden eins immer konsequent verteidigt: Den Madridista!
„Das Wichtigste und Wertvollste, was der Verein hat“, so Pérez dazu.
Kein Außenstehender sollte Macht über Real Madrid haben, egal ob vom Platzwart bis zum Vorstandsvorsitzenden, Mitglieder und Verantwortliche sollten wahre Madridistas sein.
Denn „die Madridistas sind die Essenz der madridter Seele“, so Pérez weiter. „Sie sind die Basis des Erfolgs und sie sind die einzigen, die den Verein über einen solch großen Zeitraum am Leben gehalten haben“.
Unterstützung bekam er als Präsident wie kein zweiter davor, mit Ausnahme von Santiago Bernabéu. Den ersten Wahlen als Präsident sah er gelassen entgegen. Dazu hatte er auch einen Grund, denn von Fanseite wurde laut für eine Wiederwahl Pérez geworben, die dann mit einem unglaublichen Ergebnis von knapp 95% für ihn ausfiel. Damit hatte er unglaubliche Unterstützung für sein Konzept.
Die Fundación, eine weitere Säule von Real Madrid ist Pérez zu verdanken. Er hat sie aufgebaut. Die Fundación Real Madrid ist eine Stiftung, die von den Vereinsmitgliedern über die cuota social (Sozialquote) sowie durch Spenden und Sponsoren finanziert wird.
Ihr Ziel ist es, die sozialen und kulturellen Werte des Sportes im Allgemeinen und des Vereins im Besonderen, in den Dienst der Gesellschaft zu stellen.
Realmadrid.com, Realmadrid TV und die Zeitschrift „Hala Madrid“ sind nur einige Beispiele, bei denen Pérez maßgeblich an der Entstehung beteiligt war. Alles das und noch vieles mehr war nötig, um die Marke Real Madrid weiter zu verbessern und auszubauen.
Pérez plädierte schon immer für mehr Durchsichtigkeit für die Madridistas, für mehr Service und mehr Informationen. Dies sollte unter anderem mit den eben genannten Medien realisiert werden. Mittlerweile kann man das Ergebnis dessen bewerten und das Fazit kann nur positiv sein. Kein anderer Klub bietet den Fans so viele Informationen und so viel Service. Als neustes Beispiel ist das eigene Radio-Programm zu nennen, dass wie viele andere Dinge Real als allererstes getestet hat und es ist genau wie der eigene TV-Sender zum Erfolg geworden.
Pérez wusste früh, dass die Medien ein wichtiger Bestandteil werden. Somit konnte sich Real Madrid in diesem Bereich dank Pérez die Vormachtstellung ohne Probleme sichern.
Die spektakuläre Umgestaltung des Bernabéu (die aber noch lange nicht abgeschlossen ist), die Eröffnung des neuen Sportgeländes, der Ciudad del Real Madrid, ist ein weiterer Beweis der Visionen des Florentino Pérez'.
Nicht nur, dass das das neue Stadion mittlerweile zur Topklasse der europäischen Stadien gehört, nein, sollte die Stufe zwei des Ausbaues fertig gestellt werden, würde damit ein weiterer Meilenstein erreicht werden, denn solch ein Stadion hätte die Welt noch nicht gesehen.
Im Jahr 2000, direkt nach seiner Wahl zum Präsidenten, war der Ausbau bzw. die Modernisierung des Stadions einer der Kernpunkte von Perez. Nicht nur um wieder mehr Gelder zu generieren, das Bernabeu sollte auch wieder ein Statussymbol werden.
Zudem sollte das Stadion enorm modernisiert werden, damit es den Madridistas mehr Komfort bieten könnte.
127 Mio. € lies sich Florentino Perez dies kosten, eine aus heutiger Sicht ziemlich geringe Summe dafür, dass das jetzige Stadion von Jahr zu Jahr immer mehr Geld abwirft. Also ein weiterer Beweis für die geschickte Vereinspolitik von Perez.
Ein weiterer Punkt war eine neue Sportliche Heimat abseits der Spiele. Die ehemalige Ciudad Deportiva wurde verkauft und gegen Leihgebühr benutzt, bis die ersten Bauarbeiten an dem neuen Projekt begannen, das neue Sportgelände, die Ciudad del Real Madrid.
Mit der Planung wurde zu Beginn des Jahres 2003 begonnen. Die Bauarbeiten wurden in drei Phasen unterteilt, die erste Phase startete 2004. Diese betraf allein die Sportplätze, sodass die Fußballmannschaften schon darauf trainieren konnten.
Dieses neue Sportgelände war nach Fertigstellung über 120.000 m² groß, mehr als doppelt so groß, wie die alte Sportstätte.
Ein weiterer Vergleich, um zu verdeutlichen, was Perez eigentlich geleistet hat:
Nicht nur die Größe wird im Vergleich zum alten Sportgelände verdoppelt, auch das Finanzielle spielt eine große Rolle. Nahm man aufgrund der guten Kontakte von Perez für das alte Gelände knapp 500 Mio. € ein, so wird dieses Gelände und die dazugehörigen Anlagen, Gebäude, das Stadion, und die Arena gerade mal knapp 100 Mio. € kosten.
Ein weiteres Detail, das vielleicht untergehen mag ist, dass es eine umweltfreundliche Anlage werden wird. Perez nahm dafür auch zum Teil einen Kostenanstieg in Kauf, was allerdings seiner Meinung nach nachvollziehbar wäre. „Real soll in allen Belangen Vorbild sein, auch beim Thema Umweltfreundlichkeit“, so die Worte Perez’. Er hatte damit Recht, denn dieser Schritt wurde von allen Seiten als positiv empfunden.
Das heißt zusammengefasst, eine größere, funktionalere und umweltfreundlicherer Anlage als zuvor, welche dazu nur für gerade einmal 100 Mio. €, also ein Viertel des Verkaufspreises für die alte Anlage kostete.
Ein wahres Schnäppchen, das einmal mehr Perez zu verdanken ist, da gerade er als Bauunternehmer viele Kontakte knüpfen konnte, um das maximale für Real herauszuholen.
Bei allem Lob, das sich Perez ohne Zweifel verdient hat, darf man aber auch nicht die schlechte Seite sehen. In allen Bereichen machte Real einen unglaublichen Fortschritt, nur das sportliche, also die Basis und Grundsäule, lief es zum Ende hin nicht so, wie er es sich vorgestellt hatte. Es wurden weiter Stars eingekauft, die meist aber die Problemzonen des Teams nicht kompensieren konnten. Dazu Trainer, die mit den ganzen Stars überfordert waren und nicht mehr an die Mannschaft rankamen.
Schlussendlich fasste Perez den Entschluss, als Präsident zurückzutreten.
Nicht weil die Medien es gefordert haben, nein, weil er sich selber eingestanden hatte, dass er das Schiff nicht mehr retten konnte. Ein weiteres Mal zeigte er Größe und verließ das Schiff noch rechtzeitig. Ihm war bewusst, dass er das Ruder nicht mehr herumreißen konnte.
Damit bewies er noch einmal, dass es ihm vordergründig um den Verein und die Madridistas ging. Und um ihnen zu helfen musste er seinen Traum loslassen, den Traum, Real Madrid als Präsident weiterzuführen.
Abschließend lässt sich sagen, dass Florentino Perez nach dem großen Santiago Bernabeu der größte Präsident gewesen ist, den Real Madrid je hatte. Aus einem fast schon verlorenen Klub zauberte er innerhalb von 6 Jahren den Topklub wieder herbei, den Santiago Bernabeu einst aufgebaut hatte.
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