Reportagen
05.03.2011, 14:53
Ein kleiner Lichtblick: „Ich kämpfe für mehr Einsätze!“
Sergio Canales konnte am Donnerstag wieder lächeln: Der Jungspund durfte gegen Málaga seit langer Zeit mal wieder länger als zehn Minuten spielen und gewann durch großes Engagement die Sympathie der Zuschauer. 8 Einsätze in der laufenden Spielzeit sind jedoch zu wenig für den 20-Jährigen, um seinen großen Traum, Stammspieler bei Real Madrid zu werden, auch nur ansatzweise zu erfüllen. Immerhin war es ein Lichtblick für den Blondschopf, der jetzt vielleicht sogar am Sonntag in seiner alten Heimat Santander wieder eine Chance von José Mourinho bekommt...
8 Einsätze in dieser Saison - Ja, Canales verkümmert...
Manche halten es für einen Fehler, dass
Sergio Canales schon im Alter von 19 Jahren zu Real Madrid wechselte. Andere verstehen nicht, warum man den offensiven Mittelfeldspieler nicht im Winter verliehen hat. Der Jungspund brachte es in dieser Saison nämlich gerade einmal nur auf 8 Pflichtspiele, und meist erhielt er nur für kurze Zeit seine Chance. Zu groß ist die Konkurrenz mit Mesut Özil und Ricardo Kaká auf der Position des Spielmachers, hinzu kamen viele kleine Verletzungen, die den heute 20 Jahre alten Blondschopf außer Gefecht setzten. „Er wird seine Gelegenheiten bekommen. Wir bauen den Jungen hier ganz behutsam auf“, meinte José Mourinho zu Beginn der Saison. Dass er allerdings so selten zum Einsatz kommt, beunruhigt so manchen Fan und auch die Familie des Riesentalentes. „Wäre er bei Racing geblieben. Wie viel Minuten hat er bisher gespielt? Ich kann sie ja bald an einer Hand abzählen! Wie wird er sich so verbessern? Ein Talent verkümmert! Kaufen, aber dann nicht spielen lassen. Das war ja klar. Oder am besten verleiht man ihn nach Racing zurück oder sonst wo hin, hauptsache er bekommt Praxis. Madrid muss Geduld aufbringen und ihm Chancen geben. Es gibt kaum Ausnahmen, die dir in diesem Alter direkt weiterhelfen, wir haben hier Messi gehabt, aber er ist einzigartig. Canales hat großes Talent und es wird in Madrid verschwendet. Er hat keine Chance, zu wachsen und sich zu verbessern“, schrieb Talentexperte und Barça-Ehrenpräsident Johan Cruyff bereits letzten November in seiner Kolummne bei der spanischen Zeitung 'El Periódico'.
Zum Nachlesen:
„Canales verkümmert in Madrid!“
War Madrid der falsche Schritt für Canales? Damals lag ihm angeblich auch ein Angebot des FC Barcelonas vor, doch der Traum des Nachwuchsspielers hieß Real Madrid. Dass der spanische Rekordmeister aber nicht mehr der Klub ist, der Talente zu großen Spielern macht, ist am Beispiel Canales perfekt festzumachen. Das Lächeln des Frauenschwarms ist nur noch selten zu sehen, das Selbstbewusstsein wegen der mangelnden Spielpraxis ganz unten. „Er ist glücklich in Madrid, privat als auch bei Real. Er arbeitet täglich mit Leuten auf einem wesentlich höheren Level zusammen. Sicher, mehr Spielminuten wären besser gewesen, aber dieser Situation muss er sich stellen und um seine Chance kämpfen. Er wird auch über den Winter hinaus hier bleiben“,
meinte Papa Ángel Canales im Januar. Er ist auch gleichzeitig der Berater seines Sohnes und verfolgt jedes Spiel im Bernabéu mit der Familie und hofft, dass sein Junge den Rasen betritt. Leider ist dies aber zur Seltenheit geworden - bis zum letzten Donnerstag...
„Es ist nicht einfach, aber ich bin glücklich in Madrid“
Da saß auch Ángel Canales auf der Tribüne und sah, dass der junge Sergio nach 65 Minuten in die Partie kam. Die Zuschauer im Bernabéu empfingen ihn mit großem Applaus, denn auch sie wissen, wie schwer es der U-Nationalspieler Spaniens bei den Königlichen hat. Das war der erste längere Einsatz nach dem ersten Spieltag der Saison gegen Mallorca. Canales wurde für Özil ins Rennen geschickt und fiel sofort positiv auf: Er kämpfte um jeden Ball, verteilte das runde Leder gut an seine Kollegen und bereitete sogar das 7:0 von Cristiano Ronaldo vor. Ganz zur Freude der Fans - und wahrscheinlich auch seines Vaters. „Ich bin hier in keiner einfachen Situation, aber ich bin glücklich, hier zu sein. Ich kämpfe jeden Tag im Training, um Minuten zu bekommen, um spielen zu dürfen. Um bei Real Madrid zu spielen, muss man kämpfen. Es war mir klar, dass es sehr schwer werden würde und ich nehme diese Herausforderung an. Mourinho behandelt uns alle gleich, ob erfahren oder unerfahren, ob Neuling oder Veteran. Ich denke, dass ich mich langsam Schritt für Schritt angepasst habe und das tue, was er von mir erwartet. Es hat gut getan, wieder im Bernabéu zu spielen“, erklärte Canales im Interview mit der 'MARCA'. Sein Vater, der ihn zu diesem Gespräch begleitete, fügte hinzu: „Dass die Fans Beifall spendeten, hat ihn stärker gemacht. Wir alle, ob Familie oder Freunde, unterstützen ihn. Der Rest liegt bei ihm. Er muss ruhig bleiben und sich Schritt für Schritt an die erste Elf rantasten. Er hat das Zeug dazu!“ Es war natürlich eine Umstellung für ihn. Vom kleinen und familiären Racing zum großen und erfolgsverdammten Real Madrid. Canales war unter Miguel Angel Portugal, dem mittlerweile ehemaligen Trainer der Kantabrier, der Dreh- und Angelpunkt in der Offensive - ob als hängende Spitze, Mittelfeldspieler oder Angreifer. In Madrid ist er nur einer von vielen.
Real-Legende Gento:
„Sergio muss sich weiter in Geduld üben!“
Darf Canales am Sonntag gegen seinen Ex-Klub ran?
Apropos Racing Santander. Morgen Abend um 21 Uhr gastiert Madrid im El Sardinero - Canales kehrt also an seine alte Wirkungsstätte zurück. Natürlich hofft er, dass Mourinho ihm ja vielleicht sogar eine Chance von Anfang an bietet. „Es wäre sicher etwas ganz Besonderes, im Sardinero zu spielen. Ich bin und bleibe im Herzen noch immer ein Racinguista (Anm. d. Red.: Racing-Anhänger) und gegen meine alte Mannschaft zu spielen, würde mich noch einmal mehr motivieren. Sie spielen eine ordentliche Saison und mit der Ankunft des neuen Trainers Marcelino fahren sie noch einmal viel bessere Ergebnisse als zuvor ein. Wichtig ist, dass wir dort drei Punkte holen, denn wir glauben bis zum Schluss an die Meisterschaft und können es uns nicht leisten, zu patzen.“Bleibt zu hoffen, dass Canales auch weiter an sich selbst glaubt und jede sich bietende Chance so nutzt wie am Donnerstag. Vielleicht wird es dann ja noch einmal was mit dem Traum, ein großer Spieler zu werden...
Superstar Ronaldo über Canales:
„Er wird noch ein ganz Großer!“





