Reportagen
19.03.2010, 17:35
„Macht einen hervorragenden Job" - Schützenhilfe für Pellegrini
In dieser Saison hieß es bereits "Adios" gegen einen Drittligisten in der Copa del Rey und auch in der Champions League durften die "Blancos" bereits frühzeitig ihre Koffer packen. Unter üblichen Umständen wäre der Trainer von Fans und Funktionären ausgebuht und bereits hochkant rausgeflogen, doch es scheint, als dass in diesem Jahr ein anderer Wind weht. Enttäuschte Real Madrid zwar in den K.O Wettbewerben, so überzeugen sie umso mehr in der spanischen Liga....
Der große Teil der Fans steht hinter dem Trainer
Pellegrinis' Stuhl wackelt, aber er kippt nicht! Der Grund dafür ist schnell gefunden: In der Primera Division überzeugen die "Merengues" wie schon seit einer halben Ewigkeit nicht mehr und brechen alle vereinsinternen Rekorde. Als Kirsche gibt es die Tabellenführung obendrauf und das vor dem Erzrivalen aus Barcelona, dem Team, welches von vielen Fußballexperten als das Beste betitelt wird – Balsam auf die geschundenen Seelen der Madrid-Anhänger. Doch grade nach dem Aus in der Königsklasse startete die Madrider Sportpresse eine erneute Kampagne gegen den Trainer, jedoch und das ist bemerkenswert, ohne Erfolg! In diesem Jahr fehlt den Sportblättern ein wichtiges Druckmittel...die Fans. In einer Umfrage sprachen sich 70 Prozent für einen weiteren Verbleib des Chilenen aus, ein klares Statement Seitens der Anhängerschaft. Manuel Pellegrini kann auch bei seinem Team auf Rückhalt zählen. So bezeichnete Verteidiger Alvaro Arbeloa ihn als „besten Trainer der Welt" und auch Vizekapitän Iker Casillas ist davon überzeugt, dass „Pellegrini bleiben muss."
Sollte Pellegrini auch im nächsten Jahr Trainer bleiben? Hier abstimmen!
„Man muss ihm Zeit lassen." - Berühmte Arbeitsgenossen melden sich zu Wort
Es hat sich somit ein breites Pro-Pellegrini Lager in Madrid entwickelt, doch nicht nur in Spanien ist man von der Arbeit des "Ingenieurs" überzeugt. Kein geringerer als Ex-Trainer Fabio Capello meldete sich zu Wort. Der Coach der "Tree Lions" erreichte als Trainer nahezu alle wichtigen Erfolge des Clubfußballs: Mehrfacher italienischer Meister, die Champions League, europäischer Supercup Sieger mit dem AC Milan und zweifacher spanischer Meister mit Real Madrid. Er kennt das heiße Pflaster Madrid und baut auf den aktuellen Coach. „Pellegrini hat bis jetzt einen hervorragenden Job gemacht. Er hat sehr viele Punkte geholt und ist jetzt vor Barca," analysierte der Ex-Trainer der "Königlichen" die Leistung seines indirekten Nachfolgers.
Schützenhilfe gab es auch von einer ganz anderen Seite. „Pellegrini ist ein guter Trainer und man muss ihm und dem gesamten Projekt Zeit lassen," versicherte die Fußballtrainer Legende Arrigo Sacchi, ein Coach, der weiß wovon er spricht: Italienischer Meister, zweifacher Europapokal der Landesmeister, Europäischer Supercup und Weltpokal Sieger, die Liste seiner Erfolge ist lang. Sacchi, der unter Perez ersten Amtszeit von 2005 als Sportdirektor agierte, kennt das Umfeld in Madrid wie kein Zweiter und erklärt, wie es zur Blamage gegen Lyon kommen konnte: „Das Spiel des Teams harmoniert noch nicht wirklich. Sie verbessern sich zwar beständig, doch das internationale Niveau fehlt immer noch, da kein Kollektiv herrscht. In Spanien reicht der Individualismus, um Spiele zu entscheiden, in Europa kommt man so nirgends hin. In der Champions League ist eine Harmonie zwischen Individualismus und Kollektiv unumgänglich, Madrid fehlt diese Kombination noch...Man muss zwischen den europäischen und nationalen Wettbewerben unterscheiden. In der Liga haben sie gezeigt, dass sie locker um die Meisterschaft mitkämpfen können, aber in Europa sieht es dann gänzlich anders aus. In der Liga fehlen die großen Gegner. Barcelona und Madrid haben fast keinen ebenbürtigen Rivalen." Weiterhin gab er Pellegrini noch ein paar gute Ratschläge für eine erfolgreiche Zukunft in Madrid und empfiehlt ihm, dass „er sich mehr an den internationalen Fussball orientieren muss. In der Königsklasse spielt man anders als in Spanien mit einer höheren Intensität, die Physis und Aggressivität stehen mit an erster Stelle."
Zu guter Letzt äußerte er sich noch über den Präsidenten des Klubs, welcher über den weiteren Verbleib von Manuel Pellegrini entscheiden wird. Der Welttrainer von 1989 zweifelt nicht am Projekt seines ehemaligen Präsidenten. „Florentino ist ein großartiger Präsident. Er hat ein großartiges Team geschaffen, welches nicht nur aus Namen, sondern auch aus jungen und erfolgreichen Spielern geformt ist, die sportlich etwas leisten können und zueinander passen. Er macht einen fantastischen Job," schwärmt er vom Kraftakt, welchen Perez im letzten Sommer vollbracht hatte. Der Coach der „Königlichen“ darf sich somit über geballte Rückendeckung von allen Seiten freuen, ein Umstand, den sich so manch anderer Trainer in den letzten Jahren gewünscht hätte. Würde es nach den Fans gehen, wäre der Chilene auch nächstes Jahr "der Dirigent des weißen Balletts", trotz der Pleiten in dieser Saison.





