Reportagen

23.02.2011, 23:10

Madrids europäischer Talisman - Chapeau, Karim Benzema!

In der Priméra Division mag Karim Benzema sich von der Toreanzahl mit Verteidiger Ricardo Carvalho messen, doch in der UEFA Champions League ist der 23-jährige Franzose Reals erfolgreichster und treffsicherste Torschütze. Sein Tor im Stade Gerland war nicht nur sein 100. Treffer in seiner Karriere, sondern kann für dein Einzug ins Viertelfinale ein überlebenswichtiger sein. Nach den letzten Wochen hat so manch einer das Gefühl, Benzema habe beim spanischen Rekordmeister endlich eingeschlagen. Ist die große Hürde endlich überwunden?

Benzema löst die Blockade

Meine ganze Familie befand sich im Stadion und ich konnte ein Tor machen. Es war ein sehr spezielles Spiel, denn Lyon war einmal mein Verein, zudem war es für uns sehr wichtig ein Tor auswärts zu erzielen. Ich werde weiterhin arbeiten, damit ich in jedem Spiel treffe. Es war für uns sehr wichtig, dass wir in Lyon getroffen haben und das Resultat ist dementsprechend gut. Ich hoffe, dass unser Publikum im Bernabéu uns helfen wird diese Runde zu überstehen.“ Worte, die gut tun. Worte, die motivieren. Externer LinkKarim Benzema hat gestern so ziemlich jeden überrascht, als er nur 42 Sekunden nach einer Einwechslung durch den Strafraum Olympique Lyons marschierte und Torhüter Lloris abgebrüht und genau im richtigen Augenblick verlud.

Benzema überglücklich:  Externer Link„Das war so wichtig...“

Es war ein denkwürdiger Moment im Stade Gerland und das nicht nur für den Rückkehrer Benzema selbst. Der französische Nationalspieler hat eine Blockade überwältigt, die beinahe schon erschreckend war: Seit 2002 hat Real Madrid nämlich in einem K.o.-Spiel auswärts keinen Treffer mehr erzielen können. Neun Jahre musste man auf diesen Moment warten und kein Geringerer als der so oft kritisierte und gescholtene Benzema erlöste jeden Madridista. Sogar den Real-Präsidenten Florentino Pérez hielt es nicht mehr auf den Sitzen. Wäre Gomis' Treffer nicht gewesen, hätte man das Viertelfinalticket wahrscheinlich schon so gut wie sicher. Nichtsdestotrotz bleibt der positive Aspekt, endlich mal wieder aussichtsreiche Chancen auf das Weiterkommen zu haben - dank Benzema.

Im Nacken von Eto'o, Messi und Gomez

Denn überhaupt zeigt der 23-Jährige in der Königsklasse Leistungen, die man im letzten Jahr noch schmerzlich vermisst hatte. Mit nun fünf Treffern steht der Mittelstürmer ganz oben auf der CL-Torjägerliste, hat sogar mehr Tore als beispielsweise Cristiano Ronaldo und misst sich mit Spielern wie Eto'o von Inter Mailand, Gomez von Bayern München und Messi von Barcelona. Apropos Gomez. Die Entwicklung Benzemas könnte man mit dem des deutschen Nationalspielers vergleichen. Beide galten als Fehleinkäufe, kamen für hohe Summen ab 30 Millionen Euro. Beide haben sich mittlerweile den Respekt erarbeitet und werden immer stärker. Benzema ist sogar der treffsicherste Spieler der Champions League: Alle 60 Minuten netzt der Nationalspieler Frankreichs im Durchschnitt ein, öfter als Eto'o und Co.! Dass diese Konkurrenten mehr Tore auf dem Konto haben, liegt wohl an der wenigen Spielzeit Benzemas. Denn auch gestern war Reals Nummer 9 nicht von Beginn an erste Wahl. Mourinho setzte auf Neuzugang Emmanuel Adebayor, der sich - ähnlich wie  besonders in Halbzeit eins die komplette Real-Offensive - als Totalausfall entpuppte. Kann Benzema sich vielleicht jetzt durch diese guten Leistungen in den letzten Wochen als Stammkraft etablieren?

Tor Nummer 100 seiner Karriere - und 13 in dieser Saison

Mourinho dürfte sich diese Tore, Zahlen und Leistungen notiert haben. Schon gegen Mallorca in der Liga war es Benzema, der Real zum Sieg schoss und noch wichtiger war der Treffer beim FC Sevilla im Pokalhalbfinale. Auch ein K.o.-Tor, das den Blancos diese so gute Ausgangslage für das Rückspiel verschaffte. 13 Tore erzielte er in dieser Spielzeit bisher ingesamt, die gestrige Bude im Gerland war sogar das offiziell 100. des so jungen Angreifers in seiner Profikarriere. Und das ausgerechnet dort, wo alles angefangen hatte...

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Überhaupt kann man nicht nur zufrieden mit der sportlichen, sondern auch mit der persönlichen Entwicklung des Akteurs sein. Aus einem schüchternen Jungen wurde ein symphatischer und offenherziger Kerl, dem man sogar während den Trainingseinheiten das Lächeln und dem Spaß am Fußball ansieht. Man will in den spanischen Medien nicht von einem Höhepunkt sprechen, doch Benzema befindet sich im Aufwind. Interviews gibt er mittlerweile sogar komplett auf Spanisch, auch die Körpersprache an sich hat sich gewandelt. Benzema setzt nach, arbeitet für das Team - dank José Mourinho. „Mou hat es geschafft meine Mentalität zu ändern, ich bin nun ein großer Kämpfer!“ Chapeau, Karim. So kann es gerne weitergehen.

Benzema im Interview:  Externer Link„Dank Mou bin ich jetzt ein großer Kämpfer!“

geschrieben von Kerry Hau