Interviews
18.07.2010, 12:53
Pellegrini: „Es war die Entscheidung eines Präsidenten, der sehr wenig Ahnung hat“
Seit dem Ende der vergangenen Saison ist Manuel Pellegrini nun nicht mehr Trainer von Real Madrid und wurde durch den Startrainer José Mourinho ersetzt. Seitdem befindet sich der Chilene in seiner Heimat und ruht sich dort von den Strapazen aus, die der auf dem Trainerstuhl bei Real Madrid erlebt hat. Während eines Interviews sprach Pellegrini nun über die Gründe für seine erfolglose Zeit in Madrid und gewährte dabei einige hochinteressante Einblicke, in die seiner Meinung nach missratene Vereinsstruktur.
„Mein Rauswurf war nur die Entscheidung von Pérez“
10 Trainer in 10 Jahren! Das ist die Bilanz von Real Madrid. Darunter viele namhafte Leute wie Del Bosque, Queiroz, Schuster oder Capello. Doch alle haben es am Ende nicht viel länger als eine Saison auf der Trainerbank der 'Blancos' geschafft. Genauso wenig wie Manuel Pellegrini, der am 28. Mai seine Koffer packen durfte und fortan nicht mehr bei Real Madrid angestellt war. Zu Beginn des Interviews, stellte Pellegrini aber klar, das er „zu keinem Zeitpunkt etwas zu sagen hatte.“ Seiner Meinung nach resultierte sein Rauswurf aus der „Entscheidung eines Präsidenten, der sehr wenig von seinen Dingen verstand“, womit er auf Florentino Pérez, den Geld- und Machthaber in Madrid hinaus will.
Gegenüber der Zeitung 'El Mercurio', die das Interview mit dem Ex-Coach von Real Madrid führte, verriet er, dass „auch wenn wir Meister geworden wären, ich meine Sachen hätte packen müssen.“ Trotzdem betont Pellegrini aber auch, dass er äußerst „stolz“ war, als Real Madrid bei ihm anfragte und ein Engagement beim größten Verein der Welt bevorstand. „Das ganze war die Konsequenz aus der harten Arbeit, die ich in Chile, Ecuador, Argentinien und Spanien geleistet habe. Die Basis davon lag in meiner persönlichen Einstellung und einer sehr intensiven Vorbereitung“, so seine Einschätzung.
CL-Sieg? - „Wir hatten nicht die richtige Struktur im Team“
Doch warum war es am Ende doch nur ein Jahr, das er mit seinen neuen 'Galaktischen' sogar mit der besten Saison aller Zeiten abschließen konnte? „Es war nicht wegen Arroganz oder meiner Fähigkeit, weil ich sehr überzeugt davon bin. Immerhin haben wir die beste Leistung in der Liga der Vereinsgeschichte gezeigt.“ Seiner Meinung nach, gibt es einen ganz einfachen Grund, warum er nun nicht mehr in Madrid arbeitet. „Wir sind nicht Meister geworden, weil es eine so großartige Mannschaft wie die des FC Barcelonas gibt“, so die anerkennende Äußerung des 56-Jährigen.
Anschließend ging es dann gegen den Präsidenten von Real Madrid. Florentino Pérez wurde vor der vergangenen Saison als Präsident gewählt und soll in seiner Amtszeit an die vergangenen, erfolgreichen Jahre aus der 'Galactico'-Ära anknüpfen. Doch auch in dieser Saison folgte das Aus im Achtelfinale der Champions League und die Demütigung im Copa del Rey. „Wir haben die Champions League nicht gewonnen, weil wir nicht die richtige Struktur in der Mannschaft hatten, um diese zu gewinnen. Genau dort lag auch mein Hauptproblem mit dem Präsidenten.“ Gleichzeitig gibt Pellegrini aber auch zu, dass das Debakel gegen Alcorcon „außerordentlich schlecht war und eine Schande für den Verein, wofür ich mich voll verantwortlich fühle.“
„Ein Orchester aus Gitarristen kann kein Klavier spielen“
Und wie zu Beginn seines Statements bereits erwähnt, ist sein Rauswurf nur ein Resultat aus einer Entscheidung des Vereinsoberhauptes, was wohl an den unterschiedlichen Auffassungen für die Vorraussetzungen einer erfolgreichen Arbeit lag. „Wir hatten eine unterschiedliche Auffassung davon, wie die Mannschaft aufgebaut sein muss. Es wurden Spieler verkauft, die ich für sehr wichtig hielt“, womit er auf die Verkäufe der beiden Holländer Sneijder und Robben anspielt, die sich beide mit ihren neuen Arbeitgebern im Champions League Finale gegenüber standen. „Doch wenn es eine Meinungsverschiedenheit mit dem Präsidenten gibt, muss am Ende immer der Trainer gehen“, so die einsichtigen Worte von Pellegrini.
Doch das war noch nicht alles, was er Ex-Coach der 'Königlichen' zu kritisieren hat. Sein Rauswurf war ein Resultat daraus, das im Endeffekt José Mourinho schon neuer Trainer in Madrid war, bevor Pellegrini überhaupt vom Dienst suspendiert wurde. „Ich wusste es im Endeffekt einen Monat vorher. Aber ich hatte noch viel Arbeit, doch kam dann sofort der neue Trainer. Am Morgen berief der Präsident dann eine Pressekonferenz ein, wobei er verkündete, dass unser Kontakt beendet ist. Am Mittag sprach er mich dann an, dass ich den Vertrag weiter erfüllen soll“, so Pellegrini über die vielen Unklarheiten in der Führungsetage von Real Madrid.
Ähnliche Kritik übte er dann zum Ende des Interviews dann auch an der Transferpolitik Pérez'. Für über 250 Millionen Euro wurden neue Spieler gekauft, „die eine enorme Medienwirkung hatten und ausschließlich für das Ansehen des Vereins gedacht waren.“ Seiner Meinung nach „bringt es nichts, ein Orchester mit den 10 besten Gitarristen zu haben, wenn dabei der Pianist fehlt. Real Madrid hat die besten Gitarristen. Aber wenn ich sie bitte, Klavier zu spielen, dann werden sie es nicht besonders gut machen“, so Pellegrinis Vergleich zur Verdeutlichung der Missstände in der Einkaufspolitik.





