Reportagen

21.12.2010, 20:40

Streit statt Besinnlichkeit: In Madrid brennt der Adventskranz!

Festtagsschmaus, geschmückte Adventskränze und einen gut gelaunten Florentino Pérez neben José Mourinho und Jorge Valdano zur „Real-Weihnacht“ am feierlich dekorierten Tisch - doch der Schein trügt. Nach den öffentlichen Vorwürfen des Trainers im Anschluss der Sevilla-Partie, hat sich nämlich nicht nur die ganze spanische Liga negativ über „Heulsuse“ Mourinho herabgelassen, sondern auch beim eigenen Arbeitgeber für Ärger gesorgt. Die Konsequenz: Ein deutliches Machtwort vom Präsidenten und das Gerücht, der Starcoach könne Real Madrid schon bald wieder verlassen...

Sonntag: Mourinho gegen alle - Dienstag: Alle gegen Mourinho

Wer hätte gedacht, dass Herr Clos Goméz  mit seinen Fehlentscheidungen im Spiel zwischen Real Madrid und dem FC Sevilla bei den „Königlichen“ einen derartigen Streit auslösen könnte? Und das gerade zur besinnlichen Weihnachtszeit! Auf der Pressekonferenz nach der Partie haute José Mourinho derart auf den Putz, dass in ganz Spanien über den 47 Jahre alten Portugiesen gesprochen wird. Er präsentierte eine Liste mit 13 Fehlern des Schiedsrichters und kritisierte die eigene Klubführung, seine Mannschaft und auch ihn selbst kaum zu unterstützen. Zu oft müsse er selbst den Kopf hinhalten, es gebe keinerlei Beistand von den starken Männern Pérez und Valdano.

Zum Nachlesen:  Externer LinkMourinho legt sich mit der Klubführung an!

Vor allem an den Generaldirektor richteten sich diese Worte, denn er fand kaum Kritik an den schwachen Leistungen des Referees. „Heulsuse“ nannte Valencia-Coach Emery seinen Trainerkollegen Mourinho am Monat und löste damit eine erneute „Hassdebatte“ gegen den Real-Coach aus. Und das war ja nicht das erste Mal. Die Beschimpfung des Gijón-Trainers Manolo Preciado, Mourinho sei ein „Schweinehund, ist keinen Monat her. Auch damals gab es übrigens keinerlei Unterstützung seitens der Führungsetage für den Erfolgstrainer. Doch dem noch nicht genug: Barça-Legende Johan Cruyff warf Mourinho mangelnde Seriosität vor, Bilbao-Coach Joaquin Caparros ermittelte 20 Schiedsrichter-Fehler zu Ungunsten des FC Sevillas und präsentierte sie mit hämischem Blick auf seiner letzten Pressekonferenz. Fakt ist: Mourinho hetzt sie alle gegen sich auf und wird in Spanien wohl keine Freunde mehr finden. Nebenbei tönte Barça-Star Xavi, dass der Triple-Sieger mit Inter Mailand noch gar nichts in seiner Karriere erreicht habe - ganz im Gegensatz zu seinem Trainer Pep Guardiola. „Pep schreibt Geschichte - Mourinho nicht“, sagte der Weltmeister. Solche Aussagen werden einen selbstbewussten Mourinho zwar alles andere als beeindrucken, doch das Image des Vereins gerät mehr und mehr in die Zwickmühle. 70 Prozent der „Marca-Leser“ finden, dass es das so nicht weitergehen könne mit diesem provokanten Mourinho. Pérez müsse eingreifen, Pérez müsse ein Machtwort sprechen...

Keine Schützenhilfe - Pérez auf der Seite von Valdano

Und das tat er auch. Nachdem es nach der Weihnachtsfeier der Madrilenen gestern noch ein Gespräch unter vier Augen mit Mourinho gegeben haben soll, trat der Präsident vor die Presse. „Real Madrid spricht gewöhnlich nicht über Schiedsrichter. Was wir über die Unparteiischen zu sagen hatten, hat Jorge Valdano gesagt. Er ist unser Sprecher in diesen Dingen, er repräsentiert unseren Klub in der Außendarstellung am besten. Mourinhos Aussagen waren ein ungewollter Zwischenfall“, erklärte der 63-Jährige heute Mittag in der Radiosendung „Protagonistas“. „Wir schauen jetzt nach vorne“, meinte der Klubchef weiter. Alles andere als unterstützende Worte für Mourinho. Fällt „el Presidente“ also dem eigenen Trainer, den er kürzlich noch als „den besten der Welt“ adelte, in den Rücken? Prompt ließ Mourinho die heutige Pressekonferenz vor dem morgigen Pokalspiel gegen Levante sausen, Co-Trainer Aitor Karanka sprang mal wieder für den Portugiesen ein - weiterer Zoff vorprogrammiert...

Mourinhos Berater spricht schon von möglichem Abschied

Und die Tatsache, dass Gentleman Valdano mehr Schützenhilfe als die launische Diva Mourinho erhält, steht auch für ein scheinbar gespaltenes Verhältnis zwischen dem Trainer und Präsidenten. Durch diese „öffentliche Diskussion“ umso mehr. Und solche Worte vom eigenen Arbeitgeber wird sich auch ein Mourinho zu Herzen nehmen. Womöglich muss Florentino Pérez dann bei der nächsten Weihnachtsfeier wieder mit einem anderen Trainer auf ein erfolgreiches kommendes Jahr anstoßen, davon berichten jetzt zumindest spanische Medien. Rafa Benitez' Zeit bei Inter Mailand sei ja laut diversen Sportgazetten Europas Geschichte, durch den Streit Mourinhos mit Real Madrid schreiben jetzt einige von dessen möglicher Rückkehr in die Modestadt. Der Berater Eladio Paramés dementierte das jedoch umgehend, aber warnte vor der Zukunft: „Es gab keinen Kontakt mit Inter-Präsident Moratti. Das ist erfundenes Zeug. Und Mourinho hat noch nie nach einem Jahr ein Projekt abgebrochen. Man weiß dennoch nie, was passiert.“ Real Madrid und José Mourinho - vielleicht schon bald wieder ein abgeschlossenes Kapitel? Es wird Zeit, dass Ruhe in die spanische Hauptstadt einkehrt. Noch ein Spiel, am späten Mittwochabend gegen Levante (Anpfiff 22 Uhr) und dann kann man sich auf Weihnachten besinnen - und wer weiß, sich vielleicht ja auch in einem gemeinsamen Gespräch aussöhnen...

Externer LinkWer hat Recht: Mourinho oder die Fraktion Pérez/Valdano? Diskutier mit!

geschrieben von Kerry Hau